Wirksamkeit auf dem Prüfstand

Von Susanne Kapfinger, Ökonomin und Redaktionsleiterin AWP Soziale Sicherheit

Fallen Mitarbeitende wegen Unfall oder Krankheit aus, entstehen Kosten: Einerseits sind das Absenzkosten. Andererseits kann durch eine Langzeitabsenz später eine Invalidisierung entstehen. Das führt bei der Pensionskasse zu hohen und wiederkehrenden Rentenzahlungen. Rund um diese Kostenblöcke ist ein ganzer Dienstleistungssektor entstanden, der verspricht diese Kosten zu optimieren – zum Vorteil aller. Ist das überhaupt möglich?

 

Im Wettkampf mit der Zeit

Der Gesundheitsservice nennt sich Case oder Care Management und wird von Versicherern angeboten. Sie versprechen arbeitsunfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Ziel zu betreuen, sie dauerhaft wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren und Invalidisierung zu verhindern. Die Vorteile für Betriebe und Pensionskassen liegen auf der Hand: Sinkende Absenzkosten und womöglich auch die Verhinderung einer Invalidisierung. Denn je länger eine versicherte Person wegen Krankheit oder Unfall am Arbeitsplatz ausfällt, desto grösser wird das Risiko einer dauernden Invalidität. Das Interesse für die Rehabilitation und Reintegration der arbeitsunfähigen Person ins Berufsleben ist deshalb gross. 

 

Keine Wundermedizin 

Fallmanagerinnen und -manager leisten einen Zusatznutzen, wenn sie zur Verkürzung von Absenzen beitragen. Das setzt voraus, dass arbeitsunfähige Mitarbeiter ihre Arbeitsfähigkeit früher erlangen als es bisher der Fall war. Das klingt auf den ersten Blick nach einer Wundermedizin. Case Manager sind aber keine Mediziner, sondern Fachkräfte mit hoher Sozial-, Kommunikations- und Führungskompetenz. 

 

Diese Fähigkeiten sind nötig, weil das Care Management sämtliche Koordinationsaufgaben übernimmt, die zwischen Patient, Ärzten, Arbeitgeber, Sozial- und Privatversicherungen entstehen. Wie das die Zeit einer Betreuungsperson bis zu ihrem Wiedereinstieg ins Berufsleben verkürzen soll, liegt aber nicht auf der Hand. Es bedarf also weiterer Klärung.

 

Überredungskunst

Wenn ein Fallmanager ohne medizinische Fähigkeiten die Rehabilitation verkürzen kann, stellt sich folgende Frage: Hat der betroffene Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit davor simuliert oder liess er sich zur vorzeitigen Arbeitsfähigkeit überreden? Der Fallmanager sollte gemäss seinen Kompetenzen zu einer gewissen Überredungskunst fähig sein. Hier wird aber niemandem etwas unterstellt. Vielmehr zeigt es die Schwierigkeit auf, denen Fallmanager gegenüberstehen können. Aus Sicht eines Versicherten liegen die Vorteile eines Case Managers nicht auf der Hand. Es braucht aber seine Einwilligung bevor ein Fallmanager aktiv werden darf. 

 

Was ist Erfolg?

Ebenso stellt sich die Frage nach der Entlöhnung. Die Versicherer bieten Case Management meist über entsprechende Partner an, die dafür entlöhnt werden. Eine Erfolgsmessung in diesem Umfeld ist aber sehr schwierig, weil jeder Fall individuell Ist. 

 

Entweder sind Care Manager im Monatslohn angestellt und haben keine fallspezifische Erfolgsbeteiligung. Oder es werden in Bezug auf die Wiedereingliederung bestmögliche Ziele vereinbart. Nach Beendigung der Fall-Koordination wird dann die Zielerreichung beurteilt und eine Erfolgsquote berechnet. 

Die Schwierigkeit bei der Entlöhnung und der Zeitdruck sind alles Faktoren, die es nicht einfach machen, das volle Potenzial eines Case Managements auszuschöpfen.

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