Wie Senioren die Produktivität steigern

29. November 2017, von Susanne Kapfinger

Die Schweiz hat es  weit gebracht: Sie ist wohlhabend, die Bevölkerung ist gebildet und geniesst eine hohe Lebenserwartung. Um ihren hohen Status zu halten, muss sie aber produktiver werden. Das hilft nicht zuletzt auch dem Vorsorgesystem.

Wirtschaftswachstum beschleunigen

Die Zunahme der Produktivität trägt wesentlich zur Steigerung des Lebensstandards eines Landes bei. Doch die jährliche Wachstumsrate der Schweiz betrug im Schnitt der letzten 20 Jahre laut OECD lediglich 0,5% (Multifaktorproduktivität). Zu den produktiveren Ländern zählen aufsteigend Kanada (0,6%), Österreich (0,7%), Deutschland (0,8%), Grossbritannien (0,8%), die USA und Schweden (1%) oder Finnland (1,1%). 

Produktivitätsgewinne führen meist auch zu Lohnwachstum. Höhere Einkommen beeinflussen nicht nur die Rentenhöhe, sondern auch die AHV-Finanzen positiv. Letzteres wegen ihrer Ausgabendeckelung (Maximalrente). Grundsätzlich gilt: Je höher die Einkommen, desto schneller wächst auch das Alterskapital. So gesehen ist die Produktivität nicht nur ein Indikator für die Wirtschaftspolitik, sondern auch ein «push-up» des Vorsorgesystems. 

Folglich braucht es nicht nur die Stabilisierung der Rentensysteme, aber auch Massnahmen zur weiteren Förderung des Wirtschaftswachstums, die Erhöhung der Teilnahme am Erwerbsleben und die Verbesserung des bereits renommierten Bildungssystems. Dieses Rezept verdordnen die Verfasser der OECD-Studie der Schweizer Wirtschaft.

Zur Beschleunigung des langfristigen Wachstums sollte das Privateigentum gefördert und Markteintrittsbarrieren abgeschafft (Telekommunikation, Energie, Verkehr) werden. Verbesserter Wettbewerb, mehr Investitionen und weniger administrative Hürden führen auch zur Gründung innovativer Startups. Eine höhere Anzahl Jungunternehmen dürfte schliesslich die Kluft zwischen den produktivsten Firmen und den übrigen Unternehmen verkleinern.

Pool an Arbeitskräften erweitern

Anhaltender wirtschaftlicher Wohlstand erfordert ein wachsendes Angebot an hochqualifizierten Arbeitskräften. Es gibt drei Massnahmen, die dazu beitragen: Ausschöpfen des Arbeitskräftepotenzials, dynamische Weiterbildung und Erhöhung des Rentenalters. Ein Rentenalter 65 für alle und die spätere Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung löst zudem die durch die Alterung der Bevölkerung hervorgerufenen Probleme. 

Ältere Arbeitnehmer schöpfen ihr Potenzial am Arbeitsmarkt vor allem nicht aus, weil die finanziellen Anreize dazu fehlen. Steuerbegünstigungen bei einem späteren Eintritt in den Ruhestand oder die Abschaffung der Beitragsstaffelung in der beruflichen Vorsorge und Krankheitsprävention könnten helfen, dies zu ändern. 

Der Wandel der Arbeitswelt setzt auch eine dynamische Berufsausbildung und lebenslanges Lernen voraus. Staatliche Massnahmen könnten das Berufslehreangebot in Kleinunternehmen ausbauen. Zum Teil ist das bereits geplant: Ab 2018 subventioniert der Bund Weiterbildungen zu Grundkompetenzen (Bedienung von Computern) und bezahlt 15 CHF pro Lektion und teilnehmenden Mitarbeiter. Zudem erhalten die Betriebe für neue Bildungsmassnahmen eine Jahrespauschale von 3 000 CHF. 

Priorität: Systemstabilisierung

Diese Massnahmen sind zur Wohlstandssicherung wichtig. Noch wichtiger ist, die Altersreform zügig anzupacken. Stabile Rentensysteme sind Pfeilerer des Wohlstands. Das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Bei weiterem Aufschub der Reformen steigt das Risiko für drastische Korrekturen (Rentenkürzungen). 

Die CVP-Fraktion hat eine dringliche Interpellation zum weiteren Vorgehen in der Altersvorsorge verabschiedet. Voraussichtlich gibt es in der kommenden Wintersession dazu eine Debatte im Nationalrat. Dann werden sich neue Mehrheiten finden müssen. 

Auch die neu gewählten Fraktionspräsidenten der SVP und FDP geben Hoffnung: Der künftige SVP-Franktionschef, Thomas Aeschi,  strebt zusammen mit der FDP und CVP eine Mehrheits-Koalition an. Die Rentenerhöhung könnte somit Teil des Reformprogramms bleiben. Gleichzeitig ist dann auch die Attraktivität älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt wie erwähnt zu erhöhen.  

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