Test trennt Spreu vom Weizen

Von Susanne Kapfinger, Redaktionsleiterin, AWP Soziale Sicherheit

Wie gewonnen, so zerronnen – die Renditen des vergangenen Jahres sind weg; nach nur drei Monaten. Das erste Quartal im neuen Jahrzehnt war für Vorsogeeinrichtungen ein herber Rückschlag. Laut Swisscanto lag die geschätzte vermögensgewichtete Rendite mit 7,8 Prozent im Minus. Die Corona-Krise hat ausnahmslos alle getroffen – wenn auch nicht alle gleich stark. Der Einbruch an den Finanzmärkten hat eines gezeigt: Es gibt Anlageportfolios, die besser auf systemische Risiken reagieren als andere.

Positive Korrelation festgestellt

Untersuchungen internationaler Rating-Agenturen und grosser Vermögensverwalter zeigen: Unternehmen mit herausragendem Engagement in den Domänen Soziales, Umwelt und Governance (ESG-Faktoren) sind eindeutig krisenresistenter. Sie haben nicht nur weniger stark als andere unter dem Börseneinbruch gelitten. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem ESG-Wert und der Marktleistung: Je höher der ESG-Wert eines Unternehmens, desto besser die Aktienperformance. Als Beispiele dienen die vier globalen ESG-Indizes von MSCI. Sie haben nicht nur im ersten Quartal 2020, sondern über mehrere Jahre hinweg besser performt als der Weltaktienindex – dies unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zusammensetzung. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 4.

Verschiedene Bewertungssysteme

Die Ergebnisse sind zwar eindeutig, dürfen aber nicht verallgemeinert werden. Denn es gibt viele Methoden zur Messung von Nachhaltigkeitsrisiken. Verschiedene Ratingagenturen und Vermögensverwalter verwenden teils sehr unterschiedliche ESG-Bewertungssysteme. Trotzdem: Alle verfolgen das gleiche Ziel: Sie bewerten Unternehmen nach ihrem nachhaltigen Wachstumspotenzial. In der Theorie sollten nachhaltig ausgerichtete Unternehmen widerstandfähiger sein – insbesondere gegen systemische Risiken. Die Corona-Krise ist deshalb eine Art Trainingsfeld, um die verschiedenen Bewertungssysteme auf ihre Tüchtigkeit zu testen.

Spreu vom Weizen trennen

Für Pensionskassen, die ihre Portfolios nachhaltig ausrichten oder dies in Planung haben, ist der Zeitpunkt geeignet, um verschiedene ESG-Bewertungsraster miteinander zu vergleichen. Haltet das Bewertungssystem, was es verspricht, dann müssten die Anlagen mit hohen ESG-Werten weniger stark unter dem Einbruch gelitten haben als solche mit niedrigem ESG-Wert. Wenn dieser Zusammenhang nicht hergestellt werden kann, stellt sich folgende Frage: Misst die Bewertungsmethode das, was sie messen soll – das nachhaltige Wachstumspotenzial? Vielleicht ist das die Gelegenheit, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Zudmindest ist es eine solide Diskussionsgrundlage, wenn es darum geht, Nachhaltigkeitskriterien im Portfolio umzusetzen.

Unterdeckung vermeiden

Bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitkriterien sollte das Augenmerk darauf liegen, das Anlagerisiko zu minimieren. So kann unter Umständen eine Unterdeckung verhindert werden. Von den öffentlich-rechtlichen Kassen befindet sich laut Swisscanto per Ende März ein Viertel in Unterdeckung. Das sind doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Bei den privat-rechtlichen Kassen befanden sich 8,7 Prozent in Unterdeckung.

Die systemischen Risiken der beruflichen Vorsorge halten sich jedoch in Grenzen. Aufgrund der guten Deckungslage vor der Krise, sollten die meisten Vorsorgeeinrichtungen in der Lage sein, die negativen Auswirkungen der Krise aufzufangen, schreibt Manfred Hüsler, Direktor OAK BV, in Ausgabe 9/20 von AWP Soziale Sicherheit. Das ist erfreulich, schliesst aber nicht aus, dass es vereinzelt zu Sanierungsfällen kommen kann.

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