Tempo massiv beschleunigen

Von Susanne Kapfinger, Redaktionsleiterin AWP Soziale Sicherheit

Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich, und das mit verheerenden Folgen, wie aus dem neuen Bericht des Weltklimarats hervorgeht. Er zeigt so deutlich wie nie zuvor, wie der steigende Treibhausgas-Ausstoss den Planeten bedroht. Das Tempo, die Wirtschaft umzubauen, muss deshalb erhöht werden – und zwar massiv. Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Die nationalen Beiträge für eine klimaneutrale Wirtschaft müssen vielerorts aktualisiert werden.  Zudem ist davon auszugehen, dass sich weitere Akteure zu Klimazielen verpflichten. Investoren tun gut daran, die bevorstehenden Änderungen in ihre Prognosen einzubeziehen. Denn die Umsätze und Bewertungen im Energiesektor oder der Konsumgüterindustrie werden davon betroffen sein.

Klimaziel der Finnen – sie spinnen
Die Reduktionsziele müssen insgesamt ambitionierter ausgestaltet werden. Erste Ankündigungen werden dieses Jahr an der Klimakonferenz in Glasgow erwartet. Die Reduktionsziele sind derweil sehr unterschiedlich: Die Europäische Kommission will die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 senken. Die Klimastrategie des Bundesrates sieht eine Senkung um 50 Prozent vor. Ambitionierter ist Grossbritannien. Die Insel verpflichtet sich Emissionen um 78 Prozent bis 2035 zu senken. Die USA wollen ihre Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 um 50 Prozent reduzieren.

Rekordwürdig ist jedoch der Beschluss der Finnen, Klimaneutralität in 15 Jahren. Die nötigen Massnahmen dazu: Umstellung auf erneuerbare Energien, Aufgabe von  Verbrennungsmotoren, Häuser mit optimaler Wärmedämmung, keine riesigen Luxus-Penthäuser, dafür mehr Gemeinschaftsräume, optimierte Verkehrssysteme mit Bahn, Elektro-Bussen, Car-Sharing und Fahrradverleih, sowie effizientes Recycling. Die wichtigste Massnahme ist jedoch klimaneutrales Konsumverhalten. Laut Umfrage haben bereits 41 Prozent der Finninnen und Finnen ihr Konsumverhalten verändert. Sie essen weniger Fleisch, haben das Auto abgeschafft oder kaufen lokale Produkte.

EZB betreibt Klimapolitik
Das Beispiel der Finnen zeigt: Die Bereitschaft der Menschen wächst,  die Wirtschaft radikal umzubauen – auch in der Schweiz. Laut einer Umfrage von Solidar Suisse fordert mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine strengere Regulierung, um die negativen Auswirkungen des Wirtschaftssystems einzuschränken. Infolge verpflichten sich immer mehr Akteure zu Klimazielen. In der EU erscheint beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) als neuer Akteur auf dem ESG-Markt. Sie beabsichtigt, klimabezogene Offenlegungen für ihre Ankäufe von Unternehmensanleihen zu verlangen. Das heisst: Die Geldpolitik wird demnächst Klimafragen berücksichtigen, indem sie die Richtlinien für den Kauf von Unternehmensanleihen um Klimakriterien ergänzt.

Korrekte ESG-Daten
Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, brauchen Investoren «korrekte» ESG-Daten zu den Unternehmen. Die Bemühungen im Finanzbereich zielen deshalb auf neue Bewertungsstandards und die Offenlegung von ESG-Daten. Weltweit dazu vier Neuerungen: Erstens hat der Bundesrat die Eckwerte zur Klimaberichterstattung für Schweizer Unternehmen beschlossen. Dazu verpflichtet werden Aktiengesellschaften, Banken und Versicherungen ab 500 Mitarbeitenden und mit einem Jahresumsatz von mindestens 40 Millionen Franken. In Kraft treten soll die Regelung aber erst 2024.

Zweitens bereitet das CFA Institute einen Standard vor, der die Vergleichbarkeit und Transparenz in Bezug auf die ESG-Offenlegung bei Anlageprodukten verbessert. Drittens haben sowohl die britische Financial Conduct Authority (FCA) als auch die Hongkonger Securities and Futures Commission (SFC) Leitlinien für Vermögensverwalter aufgestellt, welche die ESG-Offenlegung für Fonds verbessern. Das wird die ESG-Datenqualität und -verfügbarkeit verbessern. Damit sollten auch die Kosten der Datenbeschaffung sinken. Für nachhaltig orientierte Pensionskassen ist das eine gute Nachricht.

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