Steht der Private-Equity-Zyklus am Wendepunkt?

Von Peter Bezak, Ökonom und Anlageexperte Zurich Invest AG

Obwohl die vergangenen zwei Jahre sehr anspruchsvoll waren, wurde die Private-Equity-Branche wohl nie richtig auf die Probe gestellt. Die Behörden vieler Länder reagierten schnell und entschlossen auf die Covid-19-Pandemie und die dadurch verursachten Störungen in der Weltwirtschaft. Nach einem kurzen Einbruch stieg der Private-Equity-Markt schnell wieder. Die hohe Liquidität und die positive Anlegerstimmung sorgten für Abhilfe. Doch mittlerweile stellt sich die Frage, ob sich die Märkte derzeit grundsätzlich verändern. Steht die eigentliche Bewährungsprobe für Private Equity möglicherweise erst bevor?

 

Ein erfolgreicher Zyklus

Im 2021 waren die Transaktions- und Ausstiegswerte noch stark angestiegen. Die Manager waren bestrebt, Rekordbeträge an Anlegerkapital einzusetzen und gleichzeitig die boomenden börsennotierten Aktienmärkte zum Ausstieg aus bestehenden Positionen zu nutzen. Laut Analysten erreichte der Gesamtwert der Private-Equity-Geschäfte im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Billion US-Dollar. Dieser Wert liegt etwa doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Der Gesamtwert der Private-Equity-Exits lag nicht weit dahinter und knackte ebenfalls die Marke von einer Billion Dollar. 

 

Dieser Anstieg der Aktivitäten wurde durch niedrige Zinssätze unterstützt. Diese boten Anreize für zusätzliche Investoren, hielten die Finanzierungskosten für Übernahmen niedrig und sorgten für hohe Bewertungsmultiplikatoren. 

 

Nun gibt es allerdings erste Anzeichen dafür, dass sich der Boom bei Risikoanlagen zu verlangsamen beginnt. Die Kapitalbeschaffungs- und Ausstiegsaktivitäten haben seit dem dritten Quartal 2021 nachgelassen. Die Kapitalbeschaffung ist unter anderem deshalb schwieriger geworden, weil gewisse Investoren aufgrund der regen Anlagetätigkeit und der aussergewöhnlich guten Performance ihre Zielquoten erreicht haben. Eine Abschwächung der Marktaktivität ist zwar nach einem Boom wie im letzten Jahr zu erwarten. Doch wie können sich die Aussichten angesichts der veränderten Bedingungen am Horizont weiterentwickeln?

 

Veränderung in der Ferne

Private-Equity-Firmen werden dieses Jahr ein ganz anderes Umfeld vorfinden als bisher. Die Aufmerksamkeit der Anleger ist auf die Inflation gerichtet, die möglicherweise gekommen ist, um zu bleiben. Die bevorstehenden Zinsanstiege, die Auswirkungen des Inflationsdrucks, eine restriktivere Geldpolitik und der anhaltende Druck auf die Lieferketten dürften das ganze Jahr über zu spüren sein. Steigen die Zinssätze, dürfte die Bereitschaft der Finanzmärkte nachlassen, die aktuellen hohen Bewertungen aufrechtzuerhalten. Dieses Szenario könnte das Ende des Marktzyklus bedeuten, der seit der Erholung nach der globalen Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 im Gange ist.

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