Robo-Berater: Kosten-Senker mit Zukunft

10. August 2016, von Susanne Kapfinger

Negativzinsen – sie bleiben Normalzustand. Dafür gesorgt hat der Entscheid der Briten, aus der EU auszutreten. Das hat den Schweizer Franken unter Druck gesetzt. Die Schweizerische Nationalbank hat mitgeteilt, dem Aufwertungsdruck des Franken mit Interventionen entgegenzuwirken.

Die SNB ist bei den Interventionen eingeschränkt, weil sie eine vergleichsweise kleine Nationalbank ist, deren Bilanz bereits jetzt stark aufgebläht ist. Wenn der Druck auf den Franken aber zu gross wird, ist nicht auszuschliessen, dass die SNB die negativen Zinsen noch verstärken wird. Das heisst: Anleger müssen sich über lange Zeit auf sehr tiefe Zinsen einstellen. Und das Schweizer Vorsorgesystem muss sich Gedanken machen, wie es weiter gehen soll.

Leader im Sparfieber

Die klassische Reaktion auf weniger Einnahmen sind Ausgabenkürzungen. Vermögensverwalter weltweit gehen diesen Weg. So hat etwa die UBS angekündigt, ihre Organisationstruktur gründlich umzubauen. Das Ziel: Kosteneinsparungen von 2,1 Milliarden Franken bis 2017. Rivale Credit Suisse will bis 2018 mehr als doppelt so viel einsparen – nämlich 4,3 Milliarden Franken. Solch drastische Kürzungen sind nur möglich, wenn auf Personal verzichtet wird. Und das ist ein starkes Commitment für den digitalen Markt.

Fintech ist die Zukunft

Vermögensverwalter sind mit neuer Konkurrenz konfrontiert: Fintech-Firmen, inklusive digitaler Vermögensverwalter. Sie spielen auf demselben Parkett: Die als Robo-Berater bekannten Online-Dienste wie Wealthfront in den USA fragen den Kunden, wer sie sind, wofür sie sparen – genau so wie  Berater aus Fleisch und Blut. Auf Basis dieser Informationen entwickeln sie dann mithilfe von Algorithmen eine Anlagestrategie. Man spricht hier auch von regelgebundenem Anlagestil.

Der Chef des UBS Wealth Managements, Jürg Zeltner, sagte kürzlich, dass die UBS spätestens Anfang 2017 auf einer neuen digitalen Plattform arbeiten wird. Diese bietet dem Kunden den digitalen Zugriff auf alles, was im Angebot ist. Dabei soll es keine menschliche Schnittstelle mehr geben.

Die CS nutzt vorerst neue Technologien, um interne Prozesse zu optimieren. Doch beide Grossbanken sind überzeugt: Robo-Beratung darf man in der Gesamtstrategie nicht vernachlässigen.

Zurückhaltung bei Institutionellen

Was heisst das für Pensionskassen? Robo-Advisor können automatisch Anlagestrategien kontrollieren und überwachen. Sie können auch sicherstellen, dass die BVV2 Vorschriften strikt eingehalten werden. Wenn es um die Digitalisierung von Beratung geht, sind Grossbanken aber zurückhaltend. Das hat verschiedene Gründe.

Erstens ist das Anlageuniversum eines Robo-Beraters passiv. Es liegt also nicht im Interesse der Bank, die Kunden von einem passiven Anlagestil zu überzeugen. Dies wegen der geringeren Fees in diesem Bereich. Zweitens üben Kunden keinen Druck aus. Würden Pensionskassen Robo-Berater nachfragen, hätten Grossbanken diese auch im Angebot. Drittens gibt es in der Schweiz noch wenig Fintech-Firmen, die solche Online-Dienste anbieten.

Swissquote beispielsweise bietet «Robo-Advisory» für institutionelle Kunden wie Banken, Broker, oder Vermögensverwalter. «Robo-Advisor analysieren tausende von Parametern und Daten und erreichen in Kombination mit dem Vermögensverwalter meistens eine bessere Performance», ist Swissquote-CEO Marc Bürki überzeugt. Die firmeneigene Pensionskasse verwendet ebenfalls den Robo-Dienst. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich im Markt etablieren.

Robo-Advisor haben keine Kreativität, sind aber in der Lage, Millionen von Szenarien zu analysieren und sind so eine perfekte Ergänzung zum Vermögensverwalter. Zudem können Robo-Advisor dazu beitragen, die Verwaltungskosten zu senken. Darin besteht schliesslich ihr Sinn und Zweck, dafür wurden sie erfunden. Allein dies ist doch eine gute Nachricht. Nun liegt es an den Vermögensverwaltern selbst, was sie damit anfangen.

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