Risikobewusstsein aufbauen und schärfen

25. April 2018, von Susanne Kapfinger

Im Pensionskassenmarkt Schweiz läuten angeblich die Alarmglocken. Die Axa Schweiz gab einen Strategiewechsel bekannt. Die Nummer zwei im Geschäft mit Vollversicherungen wird ab 2019 ihre Vollversicherungsstiftungen in teilautonome Stiftungen umwandeln. Der Wechsel erfolgt in Absprache mit der BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich. Die Finma ist mit der Prüfung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen betraut. 

Anbieter: Garantien richtig einpreisen

Der Rückzug aus der Vollversicherung ist aber nichts Neues. Den Startschuss gab die Zurich Schweiz schon 2004 mit der Lancierung der teilautonomen Sammelstiftung Vita. In der Börsenbaisse 2003/2004 schien die Solvabilität der Versicherer in Gefahr. Sie mussten ihre Eigenmittel kräftig erhöhen, weil sie von der Aufsicht zur Einhaltung von jederzeit 100% Deckung angehalten sind. 

Mit der Errichtung einer teilautonomen Stiftung wird das Geschäft von der Konzernrechnung separiert, die Erträge flies-sen in die Sammelstiftung und unterliegen nicht den Bestimmungen über die Legal Quote. Das scheint für die Versicherer attraktiver zu sein. 

Beim Vollversicherungsgeschäft harzt es demnach schon seit längerem. Die verbleibenden Anbieter gehen im Neugschäft äusserst selektiv vor. Denn anhaltend tiefe Zinsen, die steigende Lebenserwartung und regulatorische Hürden verteuern die Angebote mit Garantieschutz. 

Erstens müssen die Versicherer zur Gewährleistung des Schutzes viel Kapital bereitstellen. Zweitens können mit den auf Sicherheit bedachten Kapitalanlagen – etwa mit Obligationen – im derzeitigen Tiefzinsumfeld nur geringe Renditen erwirtschaftet werden. Das verschlechtert das Preis-Leistungsverhältnis zunehmend, wodurch immer mehr Unternehmen teilautonome Lösungen wählen. 

Nachfrage: Risikobewusstsein schärfen 

Für welchen Betrieb sich welche Lösung eignet, kann nicht generell beantwortet werden. Je nachdem, ob maximale Sicherheit oder höhere Verzinsung der Alterskapitalien und höhere Umwandlungssätze und Renten im Mittelpunkt stehen, fällt der Entscheid anders aus. Denn Sicherheit wird mit tieferen Rentenumwandlungssätzen, einer teilweise tiefen Anlagerendite und höheren Kosten bezahlt. 

Zusätzlich sind zwei Punkte zu beachten. Erstens wäre wichtig zu wissen, welchen Preis die Garantie effektiv hat. Dazu ist aber eine höhere Kostentransparenz nötig. Das Problem: Wird eine zu hohe Rente garantiert, führt das zu «Umwandlungssatzverlusten». Diese sollten dem Versicherungsnehmer offengelegt werden. Letztlich tragen die Versicherten auch bei einer Vollversicherung Umwandlungssatzverluste. Dies geschieht indirekt, indem der Versicherer die Verluste über eine Minderverzinsung oder durch höhere Risikobeiträge ausgleicht. 

Ein Beispiel: Axa-Kunden würden beim Wechsel von der Vollversicherung zur teilautonomen Stiftung durchschnittlich rund 30% tiefere Risikoprämien zahlen, schreibt das Unternehmen. Die Offenlegung der Umwandlungssatzverluste würde verdeutlichen, zu welchem Preis Garantien zu haben sind. 

Zweitens können auch Sammelstiftungen, die finanziell als sehr gesund zu bewerten sind, mit den Vollversicherungslösungen punkto Sicherheit mithalten. Dies ist der Fall, wenn sie hohe Wertschwankungsreserven geäuffnet haben und mit tiefen technischen Zinssätzen rechnen.

Gesetzgeber: Mehr Flexibilität

Es ist nicht per se schlecht, wenn sich der Pensionskassenmarkt verändert. Dies zeigt, dass sich die Marktteilnehmer an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können. Mehr Flexibiliät wäre allerdings vom Gesetzgeber gewünscht. Die im Gesetz verankerten versicherungstechnischen Parameter sind in absoluten Zahlen festgehalten und entsprechen nicht der Realität. Besser ist, den Mindestumwandlungssatz zu entpolitisieren. Dann würden auch keine Marktverzerrungen, wie Umwandlungssatzverluste, entstehen. Dadurch könnten die Marktteilnehmer effizientere Entscheidungen fällen.

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