Privat!? – das war einmal

Von Susanne Kapfinger, Ökonomin und Leiterin Redaktion AWP Soziale Sicherheit

Der Pensionskassenindex der UBS performte im Januar 2022 fast zwei Prozent unter Null – so schlecht wie seit 2008 nicht mehr. Schuld daran sind die in den USA erwarteten Erhöhungen des Leitzinses. Im Raum steht derzeit die Forderung, den Leitzins schon vor dem 1. Juli um 100 Basispunkte zu straffen. Für das laufende Jahr heisst das: Die Volatilität an den Aktien- und Anleihenmärkten dürfte in den kommenden Monaten ausserordentlich hoch bleiben. Viele Marktbeobachter erwarten eine Achterbahnfahrt. 

 

Jenseits der öffentlichen Märkte

In unsicheren Marktphasen reagieren die Börsen meist turbulent. Wer sich dem Auf und Ab an den öffentlichen Märkten nicht aussetzen und für sein Portfolio mehr Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt erreichen möchte, investiert jenseits der Börse: in Privatmarktanlagen. Die Allokation in das ausserbörsliche Eigenkapital bietet zudem die Chance, das Rendite-Risiko-Profil im Portfolio zu verbessern. Das hat der Schweizer Gesetzgeber erkannt. Seit 2022 steht Pensionskassen innerhalb der gesetzlichen Anlagerichtlinien eine neue Anlagekategorie für nichtkotierte Anlagen zur Verfügung. Damit sollen Investitionen in innovative und zukunftsgerichtete Technologien in der Schweiz erleichtert werden. 

 

Diversifikationseffekt erwünscht

Bislang fielen die privaten Beteiligungen in die Kategorie alternative Anlagen. Mit der Absonderung signalisiert der Gesetzgeber zweierlei: Erstens treiben KMUs den technologischen Wandel und diese brauchen Risikokapital. Zweitens ermöglicht die breitere Auffächerung der Anlagekategorien eine bessere Diversifikation. 

 

Der Diversifikationseffekt ist ein bedeutender Hebel in der Vermögensverwaltung zur Reduktion der Anlagerisiken. Das hat Compenswiss – der Vermögensmanager der Reservefonds der 1. Säule – eindrücklich gezeigt: die Risikobeiträge pro Anlageklasse erreichten 2021 aufsummiert 5,7 Prozent. De facto überschritt das Gesamtrisiko aber keine 4 Prozent. Die Risikosenkung um 2,6 Prozentpunkte hat die Portfoliodiversifikation bewirkt. Fast ein Drittel weniger Risiko in einem sehr konservativen Portfolio ist ein starker Hebel. Vermutlich wäre unter Einbezug alternativer Anlagen der Diversifikationseffekt noch grösser. 

 

Spezielles Modell

Privatmarktanlagen unterscheiden sich von börsenkotierten neben der geringeren Volatilität zudem in drei weiteren Dimensionen: Marktreife, Interaktion und Liquidität. Private Equity fliesst klassischerweise zu Unternehmen, die sich in einer frühen Phase des Wachstums befinden. Die Investierenden beteiligen sich meist auch an der Strategiefindung. Und der Anlagehorizont erstreckt sich über mehrere Jahre, in denen der Verkauf der Anteile blockiert ist. 

 

Öffentliches Interesse wächst

Dieses Modell überzeugt immer mehr Investoren, darunter auch Vorsorgeeinrichtungen. Das sieht man am rasanten Wachstum des privaten Beteiligungsmarktes. Die Branche ist bereits so gross, dass sie nicht mehr unter dem Radar der Öffentlichkeit bleiben kann. Die Folge: Die privaten Märkte werden immer weniger privat. Einerseits stehen die Akteure vermehrt unter dem gesellschaftlichen Druck sich selbst zu regulieren – auch in Sachen Klimaverträglichkeit. Mehr als die Hälfte der europäischen Investoren haben deshalb auch schon Engagements in Private-Equity-Fonds abgelehnt, wie eine Umfrage von Coller Capital zeigt.  

 

Andererseits etablieren sich öffentliche Märkte mit Private-Equity-Charakter. Die SIX Swiss Exchange eröffnete vor zwei Monaten ein solches Marktsegment, Spacs. Die Abkürzung steht für Special Purpose Acquisition Companies, Unternehmen ohne Geschäftstätigkeit, die via Börsengang gegründet werden. Die «Mantelgesellschaft» übernimmt dann mit dem aufgenommenen Kapital KMUs in der Wachstumsphase. Auch so rücken private und public Equity näher zusammen.

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