Portfolios unter dem Diktat der Babyboomer

16. Oktober 2019, von Susanne Kapfinger

Dass die demografische Entwicklung die Altersvorsorge beeinflusst, ist bekannt. Wie sich die Altersstruktur auf die Anlagestrategie auswirkt, findet hingegen weniger Beachtung. Eine Studie der Credit Suisse gibt dazu einen Einblick.
Die berufliche Vorsorge hat es gegenüber der umlagefinanzierten AHV doppelt schwer. Sie muss nicht nur mit den Folgen der demografischen Entwicklung kämpfen, sondern auch auf das Tiefzinsumfeld reagieren. Der dadurch entstandene Renditedruck bleibt hoch, auch wenn er aufgrund der Reduktion von technischen Zinssätzen und Zinsversprechen etwas reduziert werden konnte.

Annäherung ans Optimum
Als Reaktion auf den Renditedruck haben viele Pensionskassen ihre Anlagestrategien schrittweise geändert und Umschichtungen in der Vermögensallokation vorgenommen. Die Portfolios sind heute auf verschiedenen Ebenen viel diversifizierter: Sie sind global ausgerichtet und weisen eine bessere Verteilung auf mehrere Vermögensklassen auf.
Durch die bessere Risikodiversifikation haben die Portfolios vermutlich auch ein besseres Rendite-Risiko-Profil gewonnen. Das heisst: Die Portfolios sind näher zur Effizienzlinie gerückt. Erst bei Portfolios, die sich in diesem optimalen Bereich befinden, ist jede weitere Diversifikation sinnlos, weil dadurch das Rendite-Risiko-Profil schlechter würde.

Teils sehr hohe Risikoniveaus
Durch die Umschichtungen hat sich aber laut Oberaufsichtskommission berufliche Vorsorge (OAK BV) auch das Anlagerisiko erhöht. 53 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie und ohne Vollversicherungslösung weisen bereits ein «eher hohes» oder «hohes» Risiko aus. Der Anteil an Sachwertanlagen (Immobilien, Aktien, alternative Anlagen) in dieser Gruppe ist über die letzten Jahre stetig angestiegen und lag 2018 bei 59 Prozent.
Die Portfoliooptimierung reicht aber nicht aus, um die Folgen der Niedrigzinsen abzufedern. Die Beiträge des dritten Beitragszahlers an das Vorsorgevermögen schrumpfen. Lag der Anteil vor der Jahrtausendwende bei durchschnittlich 46 Prozent, betrug er zwischen 2000 und 2017 nur noch 26 Prozent.

Sinkende Risikofähigkeit
Kommt erschwerend hinzu: Der zunehmende Anteil der Rentner in den Pensionskassen wird sich tendenziell negativ auf deren Risikofähigkeit auswirken. Denn die Vermögenswerte der Rentner haben einen kürzeren Anlagehorizont als jene der Aktivversicherten. Das heisst, dass die Anlageprofile der Pensionskassen in der Tendenz defensiver ausgerichtet werden müssen. Die Faustregel dazu: Die Vermögenswerte von 65 bis 74-Jährigen werden mit einem Nominalwertanteil (Festverzinliche Anlagen) von 50 Prozent angelegt. Bei noch älteren Rentnern liegt der Anteil bei 100 Prozent.
Zusätzlich wird der Liquiditätsbedarf wegen der zunehmenden Rentenleistungen grösser. Während die Geldabflüsse deutlich zunehmen, steigen die Geldzuflüsse aufgrund des stabilen Bevölkerungswachstums nur beschränkt. Das Bundesamt für Statistik rechnet zwischen 2015 und 2045 mit einer Bevölkerungszunahme von 0,7 Prozent pro Jahr, während die Rentnergruppe mit durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr wächst. Das schmälert den Netto-Cashflow der Pensionskassen.

Heikle Gratwanderung
Es wird künftig schwieriger, durch risikoreiche Anlagen die tiefen Zinsen zu kompensieren. Andererseits machen die Bankiersvereinigung und Asset-Manager-Verbände darauf aufmerksam, dass viele der Vorsorgeeinrichtungen noch breiter diversifiziert sein müssten. Vor allem den alternative Anlagen sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die grosse Herausforderung besteht darin, das Gesamtportfolio auf die Effizienzlinie zu bringen und dabei die sinkende Risikofähigkeit im Auge zu behalten.

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