Ohne die Älteren gelingt nichts

08. August 2018, von Susanne Kapfinger

Wer länger lebt, hat länger Anspruch auf eine Rente. Je später die Rentenzahlungen einsetzen, desto wahrscheinlicher ist es, dass das angesparte Geld für die Finanzierung dieser Rente ausreicht. Heute klaffen die versprochenen Rentenbeträge und das zur Finanzierung vorliegende Kapital weit auseinander. Die Folge: das Rentenalter muss erhöht werden. Dabei gilt es jedoch die Sorgen der über 50-Jährigen zu berücksichtigen.

Heute ist die Angst vor Stellenverlust in dieser Bevölkerungsgruppe verbreitet. Im CS-Sorgenbarometer belegen die Angst vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut seit 2017 Spitzenplätze. Die über 50-Jährigen fürchten, wenn es im Betrieb zu Umstrukturierungen kommt, entlassen zu werden und dann wenig Chancen auf eine neue Arbeitsstelle zu haben. Tatsache ist: Jene, die keinen Job mehr finden, müssen mit merklich weniger Rente rechnen. Zudem steigt das Risiko in die Sozialhilfe zu rutschen. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass laut einer Umfrage rund 70 Prozent findet: So lange es für über 50-Jährige schwierig ist, nach Jobverlust eine neue Stelle zu finden, ist es nicht angebracht, über eine Erhöhung des Rentenalters zu diskutieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Forschungsinstituts GfS Bern.

Wer also über eine Rentenaltererhöhung spricht, muss auch über Arbeitsplätze für ältere Arbeitnehmende sprechen. Dabei stellt sich die Frage: wie steigert man die Attraktivität älterer Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt? 

Dazu bieten sich vorderhand zwei Möglichkeiten an: Weiterbildung und Preise. Letztere ist wohl der wirksamere Ansatz. Arbeitgeber zahlen für ältere Arbeitnehmer einen höheren Preis, weil die Pensionskassenbeiträge nach dem Alter gestaffelt sind. Zahlt ein Arbeitgeber für einen Mitarbeiter im Alter von 25 bis 34 Jahren noch 3,5 Prozent des versicherten Lohns in die Pensionskasse, erhöht sich der Satz bis zum Alter von 55 Jahren schrittweise auf 9 Prozent. Ältere Arbeitnehmer sind damit für die Unternehmen selbst bei gleichem Grundlohn signifikant teurer.

Der «teure» Unterschied spielt vermutlich im Niedriglohnbereich, wo körperliche Fitness im Vordergrund steht, eine grössere Rolle. Bei hochqualifizierten Jobs, wo Erfahrung ausschlaggebend ist, enthält das Alter eher eine positive Komponente, weil der Erfahrungsschatz mit dem Alter wächst.

Nichtsdestotrotz: Beitragsstaffelungen wirken altersdiskriminierend. Dagegen ankämpfen will der Verein Workforce 50+ mit der Volksinitiative «Berufliche Vorsorge – Arbeit statt Armut». Das Begehren verlangt gleichbleibende Pensionskassenbeiträge für alle Versicherten und damit eine Änderung von Artikel 113 Absatz 3bis der Bundesverfassung. Der lineare Beitragssatz müsste so festgelegt werden, dass die angesparten Vorsorgevermögen unter dem Strich gleich bleiben. Eine erste Schätzung liegt bei 12,5 bis 13 Prozent (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zusammen).

Eigene Attraktivität erhöhen

Des Weiteren ist dafür zu sorgen, dass ältere Personen leistungsfähig bleiben. Dazu braucht es Weiterbildung, vielleicht auch Fördermassnahmen in den Betrieben. Der Bund unternimmt in dieser Richtung bereits Anstrengungen. So können etwa Unternehmen für Weiterbildung – insbesondere älterer Mitarbeiter – Subventionen beantragen.

Die Federführung in Sachen Bildung haben allerdings die Arbeitnehmer selber. Sie müssen dafür sorgen, dass sie im Arbeitskollektiv einen Mehrwert bieten können. Eine Erhöhung der Altersguillotine würde ihnen dabei in die Hände spielen, weil es sich für den Arbeitgeber länger lohnt, in die Mitarbeiter zu investieren. 

Verbote bringen nichts

Preise und Bildung sind Ansätze mit guten Chancen auf Erfolg. Es gibt aber auch andere, wie etwa Kündigungsverbote oder die Einführung eines Mindestanteils für über 50-Jährige analog einer Frauenquote in den Betrieben respektive den Stiftungsräten. Beispielsweise in Frankreich sind grosse Firmen verpflichtet, einen solchen Mindestanteil einzuhalten. Beide Versuche ältere Arbeitnehmende zu schützen, bewirken jedoch das Gegenteil. Sie führen dazu, dass Arbeitgeber bei Einstellungen älterer Personen zurückhaltender werden.

Die Politik muss die Anliegen älterer Arbeitnehmer ernst nehmen. Nicht zuletzt, weil die Stimme der über 50-jährigen immer gewichtiger wird. Die Abschaffung der Altersdiskriminierung und Massnahmen zur Weiterbildung sind nützliche Ansätze, um einer Erhöhung des Rentenalters den Weg zu ebnen. Die Erhöhung des Rentenalters ist eine «echte» Systemkorrektur, auf die es gilt hinzuarbeiten.

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