PK-Fitness-Barometer

Neues Rating-Modell ermöglicht direkten Vergleich verschiedener Pensionskassen 

17. Juni 2015, von Susanne Kapfinger

Das Bundesamt für Sozialversicherungen  (BSV) und die Oberaufsichtskommission berufliche Vorsorge (OAK) wollen es wissen. Vorsorgeeinrichtungen sollen vergleichbar gemacht werden können. Dazu hat das BSV mit der OAK eine Machbarkeitsstudie ausgeschrieben: Vorsorgeeinrichtungen vergleichbar machen.

Ein solches Modell gibt es bereits. Der von Büttner & Partner entwickelte PK-Fitnessbarometer pk-rating.ch macht den Vergleich zwischen Pensionskassen möglich, indem er die unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Dabei werden die spezifischen Eigenheiten der Vorsorgeeinrichtungen berücksichtigt:  es kommt ein intelligentes Skalierungsmodell zum Einsatz, welches zum Beispiel die Sanierungsfähigkeit einer Kasse je nach deren Gesundheitszustand unterschiedlich hoch gewichtet.

In der letzten Ausgabe von AWP Soziale Sicherheit wurde das theoretische Modell erstmals vorgestellt. Wie das Modell in der Praxis konkret zu leisten vermag, lässt sich anhand der beiden folgenden Anwendungsbeispiele, dem Rating der Gemeinschafts-Vorsorgeeinrichtung ASGA Pensionskasse und der Pensionskasse SBB veranschaulichen.

Das PK-Rating lässt sich durch die Darstellung im Spinnennetz intuitiv begreifen: Je grösser die von den vier Faktoren – finanzielles Polster (F), strukturelle Resilienz (S), organische Stärke (O) und Leistung (L) – eingegrenzte Fläche, desto besser ist das PK-Rating insgesamt.

ASGA Pensionskasse: Gesamtrating 6,4

Das Gesamtrating für die ASGA Pensionskasse per Jahresende 2014 beträgt 6,4 (Vorjahr: 6,2). Es ergibt sich aus den vier Faktoren F, S, O und L (FSOL-Modell). Die Ausgangsbasis für den Faktor F Finanzielles Polster ist der homogenisierte Deckungsgrad, der sich im Fall ASGA im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozentpunkte auf knapp 116% verbessert hat. «Dank der guten Performance, insbesondere der globalen Aktienmärkte, konnte die ASGA, so wie praktisch alle Pensionskassen, ihr finanzielles Polster im Jahr 2014 deutlich verbessern», sagt Pensionskassen- und Finanzexperte Stephan Büttner. Liegen die Umwandlungssätze beziehungsweise die daraus ableitbaren impliziten Zinsversprechen über den finanzökonomisch neutralen Niveaus, so führt dies zu vorprogrammierten Pensionierungsverlusten für die Kasse, welche letztlich zu Lasten der aktiven Versicherten gehen. Im PK-Rating.ch wird dem durch entsprechende Punktabzüge beim Faktor F Rechnung getragen. Im Gesamtrating ist das finanzielle Polster mit Abstand der wichtigste der vier Faktoren und wird deshalb dreifach gewichtet.

Der Faktor S «Strukturelle Resilienz» misst wie einfach oder wie schwierig es für eine Pensionskasse ist, nach einem Einbruch Ihres Deckungsgrads, z.B. in Folge eines Börsencrashs, wieder in den grünen Bereich zu kommen. Konkret geht es einerseits um die Frage, ob und wie schnell sich eine Kasse durch einen positiven Cashflow selbst, «von innen» heraus, wieder erholen kann, und andererseits um die Frage, wie gut eine Kasse durch Minderverzinsung des Sparkapitals oder zusätzliche AN- und AG-Beiträge «von aussen» sanierbar ist. Beide Teil-Faktoren, die Selbstheilungskraft von innen und die Sanierbarkeit von aussen, hängen entscheidend von der Destinatärstruktur, und damit dem Cashflow und der Kapitalstruktur, ab. «Die ASGA Pensionskasse präsentiert sich mit einer strukturellen Resilienz von 7,3 im Vergleich zum Branchendurchschnitt hervorragend», sagt Stephan Büttner. Je niedriger der homogenisierte Deckungsgrad ist, desto grösseres Gewicht erhält die strukturelle Resilienz im Gesamtrating. Im Fall der ASGA wird Faktor S rund doppelt gewichtet, denn ihr (homogenisierter) Deckungsgrad ist zwar nicht mehr im kritischen Bereich, liegt aber gleichwohl noch nicht im «sorgenfreien»  Bereich von über 120%.

Die ASGA ist eine sehr grosse und stetig wachsende Kasse, die sich durch eine hohe Kosteneffizienz auszeichnet. In einem Umfeld zunehmender Overhead-Kosten werden Skaleneffekte immer wichtiger. Deshalb messen Büttner & Partner Kosteneffizienz,  Grösse und Wachstum der Kassen und fassen das Resultat im Faktor «organische Stärke» zusammen. Hier erreicht Asga mit 8,5 einen Spitzenwert.

Im Gesamtrating geben Büttner & Partner diesem Faktor aber eine untergeordnete Gewichtung: «Denn gut aufgestellte und gemanagte Kassen werden auch in Zukunft prosperieren und neue Anschlüsse an sich ziehen, auch wenn sie klein sind», erklärt Stephan Büttner.

Für die Beurteilung der Fitness einer Pensionskasse ist nicht zuletzt ihre Leistung von Bedeutung: Die Performance der Anlagen einerseits und die direkt an die Destinatäre ausgerichteten Leistungen andererseits. Letztere werden an der Sparkapitalverzinsung und den Rentenumwandlungssätzen gemessen – wobei überdurchschnittlich hohe Umwandlungssätze im Gesamtrating keineswegs nur positiv zu beurteilen sind, wenn sie zu einer finanzökonomisch falschen Überzahlung der Pensionierten auf Kosten der Aktiven und damit zum Raubbau am finanziellen Polster der Kasse führen.

Komplexer ist die Beurteilung der Anlageperformance. Um ein aussagekräftiges Bild von der Leistung der Vermögensverwaltung und deren Nachhaltigkeit zu erhalten, betrachten Büttner & Partner die absolute und relative Nettoperformance der vergangenen sieben Jahre. Dabei werden weiter zurück liegende Zahlen tiefer gewichtet als jüngere.

«Mit Werten zwischen 5 und 6 präsentiert sich die ASGA beim Faktor L im Mittelfeld. Dass das Rating hier trotz der überdurchschnittlich attraktiven Sparkapitalverzinsung von 4% seit dem 1.1.2014 nicht besser ausfällt liegt an der Anlageperformance, welche bei der ASGA nach einem etwas besseren 2013 im letzten Jahr leider etwas abgesackt ist», erklärt Büttner.

Pensionskasse SBB: Gesamtrating 3,6

Ein deutlich anderes Bild ergibt sich im pk-rating.ch  für die Pensionskasse SBB. Die organische Stärke (die im Gesamtmodell freilich das geringste Gewicht hat) ist bei dieser Kasse überdurchschnittlich gut. «Der O-Wert von 6,5 ergibt sich aus der Grösse der Kasse, welche hohe Skaleneffekte und eine extrem kosteneffiziente Verwaltung ermöglicht. Aber: Die Kasse ist 2014 im Vergleich zu den Vorjahren kaum mehr gewachsen, weshalb sich der hohe O-Wert von 7,1 im Vorjahr auf 6,5 verschlechtert hat», kommentiert Büttner.

Den grössten Schwachpunkt der Pensionskasse SBB sieht der Analytiker bei der strukturellen Resilienz. Auf Grund der starken Rentnerlastigkeit und dem damit einhergehenden negativen Cashflow ist eine Selbstheilungsfähigkeit der Kasse von innen heraus nicht gegeben. Und auch beim Subfaktor Sanierbarkeit von aussen sieht es düster aus: Da das Aktivensparkapital derzeit ohnehin nur zum BVG-Mindestzinssatz von 1,75% (2013: 1,5%) verzinst wird, und das Aktivenkapital beziehungsweise die Lohnsumme in Relation zum Gesamtkapital der Kasse sehr klein sind, ist eine Sanierung durch Minderverzinsung oder zusätzliche Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge kaum möglich. Für das Gesamtrating der PK SBB ist der Faktor S von grosser Bedeutung, weil das finanzielle Polster bei einem (homogenisierten) Deckungsgrad von knapp über 100% immer noch sehr dünn ist - trotz der massiven Verbesserung der letzten Jahre. Daher hat dieser Faktor im variablen Skalierungsmodell ein relativ hohes, rund 2,5-faches Gewicht.

Während die Diagnose der mangelnden Selbstheilungskraft und Sanierbarkeit für Kenner der Pensionskasse SBB wohl kaum überraschend kommt, schneidet die Kasse beim Faktor L besser ab, als man aufgrund ihrer rekordtiefen Rentenumwandlungs- und Sparkapitalzinssätze auf Anhieb vermutet. «Die schwache Punktzahl beim Teilfaktor «Leistungen an die Destinatäre» wird durch die über die letzten Jahre hinweg durchwegs sehr gute und stabile Anlageperformance kompensiert. Eine hervorragende Leistung der Anlageverantwortlichen!», so Büttner.

Sehr erfreulich bewertet er auch den Umstand, dass sich das finanzielle Polster der PK SBB in den letzten Jahren so stark verbessert hat. Dies sei neben der konstant überdurchschnittlichen Leistung des dritten Beitragszahlers den konsequenten, wenn auch sehr harten, Sanierungsmassnahmen zu verdanken. Im letzten Jahr hat sich der Deckungsgrad der Kasse von 102 auf 107% verbessert. Im Vergleich zu anderen Kassen mag das immer noch sehr tief erscheinen. Aus Sicht der PK SBB ist das aber ein historischer Höchststand. Die Entwicklung kann nur gelobt werden.

Ob das PK-Rating von Büttner & Partner den Anforderungen des BSV und der OAK entspricht, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell  einen valablen Vergleich von Pensionskassen ermöglicht und auch qualitative Entwicklungen grafisch erkenntlich macht. So gesehen ist es in jedem Fall ein wertvoller Beitrag für mehr Transparenz.

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