Neue Chancen im Care-Markt wahrnehmen

28. März 2018, von Susanne Kapfinger

Die Ausgangslage ist bekannt: Die Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung steigt. Mit zunehmendem Alter  nehmen auch die Anzahl pflegebedürftiger Personen und die Ausgaben in der Langzeitpflege zu. Aus dieser Ausgangslage sind  die in der Langzeitpflege  bestehenden sozialen und ökonomischen Systeme weiterzuentwickeln.

Komplexität führt zu Ineffizienzen

Die gute Nachricht: Der Pflegedauer pro Einwohner blieb zwischen 1981 und 2014 in etwa stabil. Dies trotz steigender Lebenserwartung. Die Bevölkerung altert demnach gesund. Trotzdem steigen die Ausgaben für die Langzeitpflege im optimistischen Szenario «Healthy Ageing»  laut einer Studie des Bundes bis 2045 von 6,1 (2011) auf 17 Milliarden Franken. 

Die Ausgabendynamik ist vor allem von der Demographie getrieben. Es gibt aber noch weitere Aspekte: Bei einer relativ unelastischen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigen die Preise stärker als in der übrigen Volkswirtschaft. Zudem führt die Komplexität des Gesundheitswesens oft zu Ineffizienzen. So sind etwa die Unterschiede bei den Sach- als auch den Lohnkosten zwsichen den Leistungserbringern immens. Das ergibt sich teils aus der Pflegefinanzierung.

Gemischte Systemfinanzierung

Die Pflegefinanzierung ist komplex: Die medizinischen Leistungen übernimmt bis zu einer vom Bundesrat begrenzten Höhe die Grundversicherung. Die Restfinanzierung bezahlen gemäss «neuer Pflegefinanzierung» die Kantone und in begrenztem Masse die Versicherten.

Die Kosten für Betreuung, Hauswirtschaft, Hotellerie und ähliches bezahlt der Patient selbst. Übersteigen die Ausgaben die Einnahmen des Betagten, entsteht Anspruch auf Ergänzungsleistungen durch die AHV.

Ungenügender Wettbewerb

Die zur Interessengemeinschaft Pflegefinanzierung zusammengeschlossenen Verbände Curaviva, Spitex Verband Schweiz, Senesuisse, Seniorenrat SSR-CSA und weitere kritisieren die unterschiedliche und teils ungenügende Handhabung der Restfinanzierung in den Kantonen. Die Kantone haben eine Versorgungspflicht gegenüber Betagten mit niedrigen Einkommen. Diese Pflicht erfüllten sie über öffentliche Spitex-Anbieter und Pflegeheime, die auch «unprofitable» Fälle versorgen. 

Ein Problem ist, dass im Pflegemarkt der Wettbewerb zwischen den Anbietern nicht richtig spielt: Öffentliche Spitex-Organisationen arbeiten mit vorgegebenen Normkosten und erhalten Subventionen für ihre Versorgungsaufträge. Private Institutionen sind dagegen vor allem auf die Beiträge der Krankenkassen und die Kostenbeteiligung der Klienten angewiesen. Zudem beauftragen die Gemeinden systematisch öffentliche Institutionen und nur selten private Anbieter.

Neue Player durch Digitalisierung

Es ist wichtig, beim Care-Angebot Wettberb zu fördern. Der Markt für Pflegeleistungen erneuert sich und bietet neue Chancen zur Effizienzsteigerung. Dafür sprechen laut einer GDI-Studie drei Trends: Erstens eröffnet die Ausbreitung des Internets Kommunikations- und Kontrollmöglichkeiten, die pflegebedürftigen alten Menschen ein längeres Verweilen in der eigenen Wohnung ermöglichen und ihre Abhängigkeit von Care-Anbietern verringern. Beispielsweise können Software-Lösungen (Ortungs-Software) die Auswirkungen mentaler Erkrankungen wie Demenz reduzieren. 

Zweitens werden Hardware-Lösungen bei körperlichen Einschränkungen auf den Markt kommen. Hilfsmittel wie zum Beispiel Care-Roboter oder Exoskelette könnten bald die Arbeit der Pflegenden erleichtern sowie die Mobilität (autonome Fahrzeuge) der Gepflegten verbessern.  Dazu gehören auch neue Sensoren für die Messung von Biodaten.

Drittens werden neue institutionelle Lösungen das Verhältnis zwischen Pflegenden und Gepflegten verändern. Dazu zählen etwa übergeordnete Plattformlösungen wie ein Uber für den Care-Sektor   oder eine lokal vernetzende Nachbarschaftshilfe. Pilotprojekte dazu laufen bereits (Kiss). Solche Plattformen werden Care-Nachfrage und -Angebot besser zusammenbringen und die Angebotsstruktur verändern.

Es ist wichtig, dass neue effizientere Angebote im Pflegesystem auch von der öffentlichen Hand nachgefragt werden. Das System gilt es dahin noch anzupassen.

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