Lehren aus der Vergangenheit

Ein Fachmagazin feiert Jubiläum: 40 Jahre «AWP Soziale Sicherheit». Bereits seit 1974 erscheint die Publikation ohne Unterbruch, sachlich und stets aktuell. Die Aktualität auf den Punkt gebracht heisst auch, die richtigen Schlüsse aus historischen Ereignissen zu ziehen.

Welches die Risikogeschichte der sozialen Sicherungssysteme in der Schweiz ist, erklären deshalb auch unser Verleger Hansjürg Saager und Martin Lengwiler, Historiker der Universität Basel ab Seite 6. Dabei hat die Altersvorsorge in den 40 Jahren der Berichterstattung von AWP Soziale Sicherheit einen riesigen Wandel vollzogen: Nach der Einführung der AHV im Jahr 1948 übertrafen die AHV-Ausgaben rasch die Ausgaben im Bereich der beruflichen Vorsorge. Die Einführung des BVG 1985 führte dann zu einer Trendwende: Während die Ausgaben der AHV seither nur geringfügig gestiegen sind, haben sich jene der Pensionskassen verdoppelt. Das Kapital aller Vorsorgeeinrichtungen ist seit 82 auf aktuell 730 Mrd CHF gewachsen.

Regulierungen verhindern keine Unfälle
Die 2. Säule ist akkumuliert zum grössten Vermögensverwalter des Landes aufgestiegen. Wir haben uns gewöhnt, einen Teil unseres Einkommens den Märkten zu überlassen. Nun hat uns aber die Krise gelehrt, dass die Märkte keine Garantien für Vermögenserhalt geben können. Das hat zu akuter Verunsicherung geführt und das Verlangen nach Stabilisierung verstärkt. Seitdem wird hart und präventiv reguliert. Leider löst man damit das Problem nicht. Bei staatlichen Regulierungen geht es immer darum, einen vergangen Unfall in Zukunft zu verhindern. Das ist ein wirksames Konzept, sofern immer dieselbe Art von Unfall passiert. Aber das Innovationstempo auf den Finanzmärkten ist derart hoch, dass laufend neue Unfallarten entstehen können. Mit dem rasanten Innovationstempo auf den Kapitalmärkten wird kein Regulierer mithalten können.

Anreize steigern – Risiken minimieren Das Problem: Die Vorsorgeeinrichtungen werden im streng reglementierten Umfeld immer grösser, weil durch Zusammenschlüsse Skaleneffekte ausgelöst werden, die zu niedrigeren Verwaltungskosten führen. Rationales Verhalten führt ergo zu erhöhter Konzentration. Die Anzahl PKs ist von einst 10†‰000 auf gegenwärtig 1†‰905 geschrumpft. Die Vergangenheit hat uns aber gezeigt, dass grosse Finanzinstitute bei einem Zusammenbruch auch grosse Unfälle provozieren (Lehman). Und: Ein nächster Unfall kommt bestimmt (Murphys Gesetz). Die Schadensbegrenzung heisst, die Betriebsgrössen klein zu halten. Vorsorgeeinrichtungen müssen, auf dem Wege der Regulierung, einen massiven Anreiz bekommen, klein zu bleiben. Das wäre die Lehre, die aus der Vergangenheit zu ziehen ist.

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