Katastrophen-Trend zeigt nach oben

Der Zurich-Gruppe setzten 2021 weniger die Folgen der Coronakrise, sondern vielmehr die hohen Kosten aus Naturkatastrophen zu. Mit ein Grund dafür sind die Folgen des Klimawandels, sagt Finanzchef George Quinn.

 

Marc Kaufmann: Eine weitere Coronawelle rollt über die Welt und löst Besorgnis aus.  

George Quinn: Die heutige Situation ist nicht vergleichbar mit jener zu Beginn der Pandemie. Damals waren in der Versicherungsbranche Leistungen infolge Betriebsunterbrüchen, Event-Absagen sowie aus der Unfall- und Krankentaggeldversicherung die bestimmenden Themen. 2021 waren in gewissen Märkten mortalitätsbedingte Schadenfälle höher als üblich, doch die Kosten daraus können wir gut auffangen. Noch ist aber unklar, wie sich die neue Virus-Variante auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt.

 

Der Schadenseite setzen Naturkatastrophen zu. Wird 2021 zu einem der schadenreichsten Jahre für die Zurich?

Ich arbeite seit vielen Jahren in der Versicherungsbranche und Naturkatastrophen sind ein wiederkehrendes Merkmal meines Geschäftslebens. Aussergewöhnlich in 2021 war nicht unbedingt die Schwere, sondern vielmehr die Häufigkeit grosser Naturereignisse. Wir sind überzeugt, dass dieser zunehmende Trend eine Folge des Klimawandels ist.

 

Was ändert sich mit dem Klimawandel für die Versicherer?

Der langfristige Trend der Naturkatastrophenschäden zeigt klar nach oben und das dürfte so weitergehen. Und auch wenn für Wetter- und Schadenanalysen riesige Datenmengen zur Verfügung stehen, sind künftige Schadenverläufe nur schwer voraussehbar. Das wird zur Herausforderung für die Branche.

 

Wie löst die Zurich das Problem?

Indem wir bei den Risiken, die wir versichern, sehr selektiv sind und das Kapital, das wir diesem Produktebereich zuweisen, reduzieren. Damit wollen wir die steigenden Schadenkosten mindern. Wir verlassen uns auch auf unsere Rückversicherer, aber das löst das Problem der Häufigkeit nicht.

 

Katastrophen wie die verheerenden Überschwemmungen in Deutschland im Juli zeigen, dass Naturrisiken oft nur ungenügend versichert sind. Bieten sich da Wachstumschancen?

Ja und nein. Wir erwarten, dass die Nachfrage steigen wird, doch bleiben Naturereignisse für Versicherer ein schwieriges Risiko. Gleichzeitig führt die zunehmende Häufigkeit zu starken Preiserhöhungen. Dennoch hat sich die Einführung von neuem Kapital aufgrund der schlechten Ergebnisse der letzten Jahre verlangsamt. Wir alle haben Katastrophenmodelle, doch die werden mit den jüngsten Erfahrungen in Frage gestellt. Das schränkt den Appetit auf dieses Risiko ein.

 

Wie nachhaltig agiert die Zurich beim Anlegen der Gelder oder Abschliessen von Versicherungspolicen?

Auf der Anlageseite haben wir uns früh, vor über zehn Jahren, erstmals verpflichtet, in grüne Anleihen zu investieren. Und im März 2021 haben wir konkrete Ziele definiert, um die Reduktion der Kohlenstoffintensität unseres Anlageportfolios weiter voranzutreiben. Gleiches geschieht nun auch im Versicherungsgeschäft. Wir wollen jedoch Kunden etwa mit einem grossen CO2-Fussabdruck nicht einfach ausschliessen, sondern sie bei der Umsetzung ihrer Pläne für eine nachhaltigere Zukunft unterstützen.

 

Auch den digitalen Wandel gibt es nicht gratis. Wieviel Geld nimmt die Zurich dafür in die Hand?

Pro Jahr dürften es alles in allem etwa 1 Milliarde Dollar sein. Die Investitionen helfen uns nicht nur, das Geschäft weiterzuentwickeln, wir werden dadurch auch effizienter. So hat Ericson Chan, unser Group Chief Information and Digital Officer, die Cloud-Strategie vereinfacht und mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Schadenabwicklung verbessert. Beides steigert die Leistungsfähigkeit und Effizienz.

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