Kapitalbezug gewinnt an Attraktivität

19. September 2018, von Susanne Kapfinger

Die Renten aus der beruflichen Vorsorge sinken. Es ist naheliegend, dass nach Alternativen gesucht wird. Eine davon ist der Kapitalbezug. Es ist davon auszugehen, dass der Kapitalbezug an Popularität gewinnt. Dafür sprechen drei Gründe. 

«Renditekürzungen» vermeiden

Erstens sinken die Renten. Die tieferen Renten sind der höheren Lebenserwartung, vor allem aber tieferen Zinsen zuzuschreiben. Drei Faktoren beeinflussen die Verzinsung der Alterskapitalien: Der BVG-Mindestzins (vor allem bei Vollversicherungen), die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtung und die Nettorendite. Die beiden ersten Faktoren beeinflussten in den vergangenen Jahren die Verzinsung negativ. 

Die Verzinsung der Alterskapitalien der Aktivversicherten betrug im Jahr 2017 durchschnittlich 2,5 Prozent. Dies obwohl die Kassen im Durchschnitt der letzten sechs Jahre eine Nettorendite von 5,5 Prozent erzielten. Das liegt daran, dass für die Verzinsung nicht die ganze Rendite verwendet werden kann. Die Vorsorgeeinrichtungen haben die gesetzliche Pflicht, Wertschwankungsreserven zu bilden und Rückstellungen vorzunehmen. Diese sind nötig, um höhere Anlagerisiken eingehen zu können und um die Finanzierungslücken der Altrentner zu schliessen. In den aktuellen Senkungen des Umwandlungssatzes sind solche «Renditekürzungen» zementiert. Lässt man nach dem Kapitalbezug das Altersvermögen anderweitig treuhänderisch verwalten, lässt sich die «Zementierung» wieder auflösen.

Gesamtkosten minimieren

Zweitens sind in der Vermögensverwaltung neue Formen entstanden. Dazu zählen zum Beispiel die digitalen Robo-Advisor. Sie legen mehr oder weniger automatisiert Geld an und sind in der Schweiz relativ neu. Dennoch gibt es bereits zahlreiche Anbieter. Zu den grössten zählen TrueWealth, Swissquote oder VZ Vermögenszentrum. Aber auch die Glarner Kantonalbank, Saxo Bank, Allianz, Descartes Finance, Selma Finance oder Simplewealth mischen mit. 

Digitale Vermögensverwalter unterscheiden sich von ihren klassischen Konkurrenten in zwei Punkten: Sie generieren deutlich tiefere Kosten. Zudem gibt es digitale Angebote schon ab wenigen tausend Franken Franken Anlagevermögen. Klassische Vermögensverwaltung ist häufig erst ab sehr hohen Beträgen – meist 250 000 oder 100 000, selten ab 50 000 Franken – erhältlich. Die Höhe der Kapitalbezüge aus der beruflichen Vorsorge betrug im Median über 100 000 Franken bei Männern und 50 000 bei Frauen. 

Ein Rechenbeispiel für ein Anlagevermögen von 100 000 Franken und einer Strategie mit beschränktem Risiko (Aktienanteil von 25-40%) verdeutlicht die Vorteile: Das günstigste Angebot im Vergleichsportal Moneyland beträgt (Stand September 2018) pauschal 1 300 Franken oder 1,3 Prozent der Anlagesumme für ein klassisches Vermögensverwaltungsmandat und 500 Franken oder ein halbes Prozent der Vermögensanlage für die Online-Vermögensverwaltung. In der klassischen Pauschale nicht enthalten sind die Produktkosten und Mehrwertsteuer. 

Bei Vorsorgeeinrichtungen sind die Gesamtkosten pro Destinatär von der Anzahl Versicherter abhängig. Kleinere Kassen mit bis zu 500 Destinatären weisen Werte von durchschnittlich 1 463 Franken aus, bei den grössten Kassen mit über 10 000 Versicherten betragen die Kosten 885 Franken.  Bei einem Vermögen von 100 000 Franken ergibt sich daraus eine Kostenquote zwischen 0,9 und 1,5 Prozent. 

Das heisst: Nur die Besten unter den klassischen Vermögensverwaltern bewegen sich in der Kostenliga der Vorsorgeeinrichtungen. Deren Angebote sind aber nicht allen zugänglich. Digitale Angebote dagegen kosten weit weniger als klassische Vermögensverwaltungs-Mandate und Pensionskassenleistungen. Zudem sind sie nahezu allen zugänglich. Aus Kostensicht steigt damit die Attraktivität des Kapitalbezugs.

Selbstbestimmte Senioren

Drittens steigt das Bildungsniveau der Destinatäre kontinuierlich. Die Statistik zeigt: Mit höherem Bildungsniveau und Einkommen steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Kapitalbezug. 

Somit gibt es gute Gründe, dem Vermögensverwalter «Pensionskasse» den Rücken zu kehren: Potenziell höhere Anlagerenditen und weniger Kosten. Wer allerdings eine garantierte Rendite (Rente) sucht, hat keine valablen Alternativen zur Verfügung. Vor dem Hintergrund des Wertewandels in der Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dieser Vorteil auch künftige Generationen überzeugt.

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