Inflationsrisiko beherrschen

Von Susanne Kapfinger, Leiterin der Redaktion AWP Soziale Sicherheit

Die Inflation in der Schweiz ist im April auf 0,3 Prozent deutlich gestiegen. Damit notiert sie erstmals seit über einem Jahr wieder über null. Im Zuge der Pandemie war sie stark gesunken und hatte im Juni vergangenen Jahres bei -1,3 Prozent einen Tiefpunkt erreicht – seither ging es mehr oder weniger konstant leicht nach oben. Nun stellt sich die Frage: Zieht die Inflation weiter an und sollten sich Investoren dagegen absichern?

 

Kurzfristig inflationäre Tendenz

Die meisten Marktexperten sind der Ansicht, dass der Anstieg der Jahresteuerung anhalten wird, es vorläufig aber nicht allzu dramatisch nach oben gehen dürfte. Die überaus rasche und starke Erholung der weltweiten Güternachfrage führt zwar vielerorts zu Lieferverzögerungen und Kostensteigerungen. Die Engpässe sollten sich jedoch mit einer Normalisierung des Umfelds nach und nach wieder auflösen, auch weil während der Pandemie nur wenig Produktionskapazitäten vernichtet worden sind. Deshalb wird von den Notenbankern auch kein nachhaltiges Überschiessen der Inflation erwartet. Insofern sind Leitzinserhöhungen in den nächsten Monaten kein Thema – dazu ist die Wirtschaftssituation lzu fragil, so der Marktkonsens. 

 

Billionen Dollar fluten den Markt

Diese Meinung teilen aber nicht alle Experten. Insbesondere in den USA ist das Thema umstritten: Während US-Finanzministerin Janet Yellen die Gefahren einer zunehmenden Inflation eher herunterspielt, warnt US-Staranleger Warren Buffett mit Blick auf die stark anziehende Wirtschaft und die weiter niedrigen Zinsen vor steigenden Preisen. Diese Inflationsängste schüren die Fiskalprogramme der Industriestaaten, allen voran das Billionen-Dollar-Konjunkturpaket in den USA. Die fiskalische Unterstützung der Vereinigten Staaten ist sechsmal grösser als der EU-Konjunkturfond. Und die Geldmenge in den USA wächst zweimal schneller als in der Eurozone. Für einige Investoren sind das Indizien für eine starke Inflation. 

 

Ausgaben im Strohfeuer

Die Zahlen müssen relativiert werden, sagt Andres Sanchez Balcazar, Bondexperte bei Pictet Asset Management in einem Webinar: Vorderhand dient die Finanzspritze um den Produktionsschock zu überwinden. Das heisst: der Grossteil der Ausgaben wird im laufenden Jahr und 2022 in Form von Sofortmassnahmen getätigt. Das Geld fliesst namentlich in das soziale Sicherheitsnetz und öffentliche Gesundheitswesen. Damit soll die Wirtschaft zur Normalität zurückfinden. Eine Kapazitätsüberlastung und mittelfristig höhere Inflationsraten als von der Fed antizipiert, hält Sanchez Balcazar für wenig wahrscheinlich. Damit schliesst er sich dem Marktkonsens an.

 

Risiko: Impftempo 

Doch wie schnell das Wirtschaftsleben in den «normalen» Rhythmus übergeht, hängt nicht nur von Konjunkturprogrammen ab, sondern auch vom Fortschritt bei den Impfungen. Eine schnellere Verabreichung der Impfstoffe und sinkende Infektionszahlen, könnte die Entwicklung in Richtung Normalität beschleunigen. Neue Virus-Varianten, gegen die die bisherigen Impfungen nicht helfen, sowie eine langsamere Verabreichung der Impfstoffe in einigen Regionen, könnten das Tempo der Normalisierung drosseln. Investoren, deren Markterwartungen vom Marktkonsens aus diesem Grund abweichen, oder die das Inflationsrisiko beherrschen wollen, werden Derivate und strukturierte Produkte nutzen. Damit lassen sich Risiken begrenzen. Das Umsatzvolumen auf den Derivatemärkten hat laut Fachverband für strukturierte Produkte SSPA stark zugenommen: Im ersten Quartal 2021 wurden 15 Milliarden Franken mehr umgesetzt als im Vorquartal.

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