Inflation schadet Rentnern

Von Sandro Meyer, Head of Life und Geschäftsleitungsmitglied von Zurich Schweiz

Gewisse Vorstellungen stecken tief in den Köpfen. Zu diesen gehört bei vielen Menschen, dass garantierte Renten besser sind als variable. Angesichts der aktuellen Lage lohnt sich indes ein unvoreingenommener Blick auf die Vor- und Nachteile der beiden Rentenarten. Nach vielen Jahren kehrt derzeit die Inflation zurück. Was bedeutet dies für die Vorsorge? Für Menschen mit garantierten Renten ist sie eine schlechte Nachricht. Garantierte Renten legt eine Vorsorgestiftung zur Zeit der Pension fest. Ihre Höhe hängt vom angesparten Alterskapital fest und bleibt für den Rest des Lebens gleich. In Zeiten der Inflation bedeutet dies: die Rentner haben zwar weiterhin gleich viel Geld zur Verfügung, können sich damit aber zusehends weniger leisten. 

 

An der Marktdynamik teilhaben

Besser sieht die Lage bei variablen Renten aus: Diese haben das Potenzial mit steigenden Preisen zu steigen. Die Höhe variabler Renten hängt nicht starr vom Alterskapital zum Zeitpunkt der Pension fest. Die Rentner bleiben mit ihrem Guthaben bis zum Lebensende direkt an den Märkten investiert. Obwohl sie bereits einen Teil des Guthabens in Form der monatlichen Zahlungen verzehren, kann der übrige Teil mit den Märkten weiterwachsen. Läuft eine Inflation nicht aus dem Ruder und löst keine Rezession aus, steigen mit den Preisen in der Regel auch Gewinne und Aktienkurse – und damit die Kapitalien in variablen Modellen. Vorsorgestiftungen erhalten so die Möglichkeit, Renten im Gleichschritt mit den Marktrenditen zu erhöhen. Und selbst wenn eine Inflation aus dem Ruder läuft: mittelfristig haben sich Renditen und Aktienkurse bisher immer erholt und sind nach Krisen wieder gestiegen. Nach einer Zeit, in der eine flexible Rente gar sinken kann, geht es also wieder aufwärts. 

 

In Stein gemeiselt

Anders sieht es bei fixen Renten aus: Die Inflation reduziert ihre Kaufkraft unwiderruflich. Garantierte Renten könnten nur von einem Teuerungsausgleich profitieren. Solche Zahlungen dürften mittelfristig aber rar sein. Da die Lebenserwartung gestiegen ist, die Umwandlungssätze aber gleich hoch geblieben sind, mussten Stiftungen in der Vergangenheit von den Aktiven zu den Rentnern umverteilen. Sie möchten nun tendenziell die Aktiven wieder gleichstellen.  

 

Illustrieren lässt sich der Zusammenhang anhand von Zahlen aus der «Schweizer Pensionskassenstudie 2021» von Swisscanto: Diese zeigt, dass der technische Zinssatz von privatrechtlichen Kassen derzeit durchschnittlich 1,59 Prozent beträgt. Diesen Satz wenden Kassen an, um zu berechnen, welche garantierte Rente sie einer versicherten Person aufgrund ihres Altersguthabens und der durchschnittlichen Lebenserwartung zusprechen können. Gleichzeitig gehen derzeit die Kassen im Schnitt davon aus, dass sie künftig an den Märkten eine Rendite von 2,4 Prozent erzielen werden. Die Differenz von 1,59 und 2,4 Prozent illustriert das Potenzial von variablen Modellen: Pensionierte mit variablen Renten können von der höheren Rendite profitieren, während garantierte Renten starr auf den Satz von 1,59 Prozent fixiert bleiben. 

 

Ziel: Höhere Altersguthaben

Es gibt in der Schweiz nur wenige Sammelstiftungen, die flexible Renten anbieten. Obwohl die dynamischen Rentenmodelle grosse Vorteile bieten: Sie verhindern die ungewollte Umverteilung zwischen Aktiven und Rentnern und lassen alle Versicherten voll an den Renditen partizipieren. So können dynamische Rentenmodelle über die Jahrzehnte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein deutlich höheres Altersguthaben anhäufen als in traditionellen Modellen. Dadurch werden die Renten im Erwartungswert deutlich höher ausfallen. Hinzu kommt der Vorteil, gegen Inflation geschützt zu sein.

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