Hoch politisch - ebenso riskant

Von Susanne Kapfinger, Ökonomin und Leiterin AWP Soziale Sicherheit

Pensionskassen setzen viel daran, ihre Eier in möglichst viele Körbe zu legen – die Altersvermögen fliessen in immer weitere Anlagekategorien. Sprich, die Diversifikation der Portfolios nimmt zu. Dafür ernten die PK-Verantwortlichen den Applaus der Finanzexperten. Der Verband der Schweizer Vermögensverwalter «Asset Management Association Switzerland» setzt sich schon lange für die Professionalisierung in der beruflichen Vorsorge ein. Auch die langjährige Lobby-Arbeit in Bundesbern trägt endlich Früchte: Im Abstand nur weniger Monate entstanden in der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) zwei neue Anlagekategorien. 

 

Risikokapital wird offiziell

Ab 2022 können Vorsorgeeinrichtungen über die neu geschaffene Kategorie «Neue Technologien» einfacher in nichtkotierte heimische Aktien investieren. Die Obergrenze für das Risikokapital liegt bei fünf Prozent des Anlagevermögens. Nur wenige Monate zuvor entstand die Kategorie «Anlagen in Infrastrukturen». Diese dürfen maximal zehn Prozent des Anlagevermögens betragen. Beide Kategorien liefen bisher unter dem Label «alternative Anlagen». Deren Obergrenze liegt bei 15 Prozent. 

 

Die Finanz-Elite feiert die Änderungen zu Recht als Erfolg. Damit ist die Arbeit aber nicht getan. Nun gilt es die Risiken, die in diesen Kategorien typischerweise stecken offenzulegen – zum Beispiel in der Energieinfrastruktur. Der Energiemarkt befindet sich im Umbruch, weil die Energiewende spätestens 2050 vollzogen sein muss. Das bringt die Preise durcheinander. Zudem sind die Märkte «verpolitisiert». Der Bau des Pumpspeicherkraftwerks  in Nant de Drance macht es deutlich: Das Kraftwerk soll nach 13-jähriger Bauzeit bald den kommerziellen Betrieb aufnehmen – gut drei Jahre später als geplant. Inzwischen hat aber der Bundesrat die Verhandlungen über ein Rahmen- und Stromabkommen mit der EU abgebrochen. Ohne Abkommen ist nun fraglich, ob ein rentabler Betrieb möglich sein wird. Das Kraftwerk wurde dazu gebaut, um im internationalen Verbundnetz für Netzstabilität zu sorgen. 

 

Hohe Nachfrage

Auf dem internationalen Energiemarkt drohen immer politische Querelen – ungeachtet, wie hoch die Nachfrage ist: Das Pumpspeicherkraftwerk geht zu einem Zeitpunkt ans Netz, da ganz Europa Stromspeicher braucht. Sie werden für die Wende zu erneuerbaren Energien benötigt. Denn während fossile Energie kontinuierlich Strom liefert, sind Sonne und Wind volatil in der Stromerzeugung. Pumpspeicherkraftwerke können die Fluktuationen ausgleichen. China will deshalb in den nächsten vier Jahren 176 solcher Anlagen bauen.

 

Neues Preisgefüge

Neben dem politischen Risiko kämpfen Stromanbieter auch mit dem Preisrisiko. Denn mit fortschreitender Energiewende verändern sich die Preise: Sonne und Wind lieferten in den vergangenen Jahren Strom fast zum Nulltarif. Damit haben sich die Ertragsaussichten für Pumpstrom verschlechtert. Den Betreibern der Pumpspeicherkraftwerke könnten auch deswegen Einnahmen fehlen, um rentabel zu bleiben. Obwohl die gegenwärtige Gasknappheit in Europa die Strompreise in die Höhe treibt, bleibt das Preisrisiko bestehen. 

 

Diese Risiken sind gegen die Ertragschancen abzuwägen. Dasselbe gilt auch für andere Infrastrukturbereiche, wie der Mobilitäts- und Versorgungsinfrastruktur sowie der Gesundheitsinfrastruktur. Jeder einzelne dieser Märkte spielt nach unterschiedlichen Regeln. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie sind stark Politik getrieben. Den Launen der Politik ausgesetzt, gestaltet sich das Geschäft entsprechend schwierig. 

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