ESG: 3 Herausforderungen, mit denen sich High-Yield-Manager heute befassen

Das High-Yield-Segment hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte verzeichnet, was ESG-Aspekte (Umwelt, Soziales und Governance) betrifft. Die Denkweisen zum Thema ESG entwickeln sich jedoch ständig weiter, und es müssen weitere Fortschritte erzielt werden. In diesem Beitrag stellt Gareth Hall von Barings drei Herausforderungen hinsichtlich ESG-Aspekten heraus, die High-Yield-Manager bewältigen müssen, und beleuchtet, in welche Richtung sich die Branche unserer Meinung nach entwickelt.

von Gareth Hall, Portfolio Manager und ESG Specialist, Global High Yield, Barings 

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Einflussnahme auf ESG-Praktiken (als Inhaber von Obligationen statt Eigenkapital)
Was High Yield angeht, hat sich das Denken über Engagement und Einflussnahme sicherlich weiterentwickelt. Zwar stimmt es, dass High-Yield-Anleger keine Anteile an Unternehmen besitzen (und daher nicht über die gleichen Stimmrechte wie Aktienanleger verfügen, um das Verhalten von Unternehmen zu beeinflussen), aber ihre Möglichkeiten, Einfluss auf Unternehmen zu nehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sind zunehmend klar und bedeutend. Aus breiter Perspektive stellt der globale Kreditmarkt den Grossteil der Finanzmittel für Unternehmen bereit, was bedeutet, dass Festzinsanleger eine sehr reale Möglichkeit und wohl auch die Verantwortung haben, Emittenten in Bezug auf ESG zur Rechenschaft zu ziehen. Bei vielen unserer hochverzinslichen Anlagen verschafft uns beispielsweise unsere Position als bedeutender Kreditgeber eines Emittenten Zugang zu den Entscheidungsträgern des Unternehmens – und damit die Möglichkeit, uns für Verbesserungen im ESG-Verhalten einzusetzen und eine bessere Berichterstattung und Offenlegung zu unterstützen.

Statt bestimmte Titel direkt auszuschliessen, sehen wir in Engagement in der Tat das effektivste Mittel, um Wertchancen aufzudecken und Risiken zu mindern, und somit liegt es unseres Erachtens im besten Interesse unserer Investoren. Dieses Engagement kann eine rigorose Due Diligence und Gespräche mit der Unternehmensleitung umfassen, wobei das Ziel verfolgt wird, bessere Informationen zu sammeln und sowohl Transparenz als auch Rechenschaftspflicht zu fördern. Unsere Analysten bei Barings haben in vielen Fällen enge und langjährige Beziehungen zu den Unternehmen, an die wir Kredite vergeben. Sie stehen in direktem Kontakt mit leitenden Managementteams und Finanzsponsoren, um positive Veränderungen zu bewirken und möglicherweise den Weg für eine bessere Performance im Laufe der Zeit zu ebnen.

Berichterstattung über Kohlenstoffemissionen
Die Berichterstattung zum CO2-Ausstoss ist für viele ein wichtiges Thema, insbesondere da politische Entscheidungsträger auf der ganzen Welt verschiedene Massnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ergreifen. Auch Anleger üben Druck auf Manager aus, den ökologischen Fussabdruck ihrer Portfolios zu optimieren. High-Yield-Anlagen zeichnen sich durch einige inhärente Herausforderungen bei der Berichterstattung über Kohlenstoffemissionen aus. Zum einen sind die High-Yield-Märkte – insbesondere US-Hochzinsanleihen – tendenziell stärker in anlagenintensiven Branchen wie dem Energiesektor engagiert. Gleichzeitig können Unternehmensdaten über Kohlenstoffemissionen ziemlich undurchsichtig sein. Auf dem europäischen Loan-Markt legen zum Beispiel nur etwa 20 Prozent der Unternehmen ihre Kohlenstoffdaten transparent dar. 

Während wir in Zukunft eine bessere Offenlegung erwarten, versuchen Manager heute mittels unterschiedlicher Möglichkeiten, das Fehlen der Berichterstattung zu überwinden. Bei Barings haben wir ein Modell zur Bewertung der Kohlenstoffbilanz entwickelt, das uns ein besseres Verständnis über den Kohlenstoffausstoss unserer Portfolios vermittelt. Wenn Kohlenstoffdaten vorliegen, verwenden wir diese. Ansonsten schätzen wir die gesamten Kohlenstoffemissionen von Unternehmen auf der Grundlage vergleichbarer Organisationen. So waren beispielsweise für eines unserer europäischen Loan-Portfolios nur 16,8 Prozent der Daten über Kohlenstoffemissionen offiziell verfügbar – mit unserem Modell waren wir jedoch in der Lage, die Daten für weitere 76,6 Prozent des Portfolios zu schätzen.

Entscheidend ist, dass wir mit diesem Modell die Unternehmen mit den höchsten zu erwartenden Kohlenstoffemissionen isolieren und unsere Engagement-Aktivitäten auf diese Unternehmen konzentrieren können. Es ermöglicht uns auch, die zukünftig erwarteten Renditen und die Kohlenstoffemissionen Seite an Seite zu betrachten, um den relativen Wert abzuschätzen und zu ermitteln, ob Anleger für höhere Kohlenstoffemissionen entschädigt werden.


Einschränkungen bei Daten
Offenlegungen und Daten – einschliesslich der Abdeckung durch Drittanbieter – können im High-Yield-Bereich recht begrenzt sein, und das, was vorliegt, gibt selten einen umfassenden Überblick darüber, wie ein Unternehmen ESG-Überlegungen berücksichtigt. Das macht es nicht nur schwierig, Unternehmen zu vergleichen oder zu bewerten, sondern stellt auch eine Herausforderung für die Erstellung zuverlässiger ESG-Indizes dar.

Branchenweit gibt es eine Reihe von laufenden Initiativen, die darauf abzielen, die Daten zu verbessern, die Hochzinsanlegern bereitgestellt werden. So arbeiten wir beispielsweise im ESG-Komitee der European Leveraged Finance Association und in der Londoner Loan Market Association mit unseren Branchenkollegen zusammen, um die Offenlegung von Daten auf den Märkten für hochverzinsliche Anleihen und Darlehen zu verbessern. Ausserdem sind wir derzeit an einem Projekt zur Entwicklung von ESG-Loan-Indizes beteiligt.

Es gibt auch bestimmte Massnahmen, die Manager heute ergreifen können, um den Datenmangel am Markt zu überwinden. Unser grosses Team von globalen High-Yield-Analysten führt bei jeder neuen Investition, die wir in Betracht ziehen, eine rigorose Bottom-up-ESG-Analyse durch und überwacht ESG-Entwicklungen bei den Portfoliounternehmen in unserem Bestand. Letztendlich kann die allgemeine Bonitätsbewertung eines Unternehmens durch sein ESG-Profil – eine Kombination aus seinem Ist-Zustand und seinem Ausblick – unserer Einschätzung nach sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden. Das wiederum kann unsere Relative-Value-Empfehlungen beeinflussen und in die Portfoliokonstruktion einfliessen.

Fortschritt statt Perfektion
High Yield macht erhebliche Fortschritte in Sachen ESG, und wir gehen davon aus, dass die Dynamik anhalten wird, insbesondere angesichts des Potenzials, dass ESG-Faktoren den Preis einer Anleihe oder eines Darlehens wesentlich beeinflussen. Wir sind bei Barings bestrebt, verantwortungsvolle Unternehmensakteure zu sein. Darüber hinaus sind wir der festen Überzeugung, dass die Integration von ESG in unseren fundamentalen Bottom-up-Anlageprozess und das direkte Engagement mit Unternehmen entscheidend zur Verbesserung ihrer ESG-Haltung beitragen können, um für unsere Anleger einen Mehrwert zu schaffen.

 

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