Doktor Büttners scharfer Röntgenblick

2. Juni 2015, von Susanne Kapfinger

In den letzten Wochen standen die Deckungsgrade von Schweizer Pensionskassen in den Schlagzeilen. Die grosse Herausforderung für die Vorsorgeeinrichtungen besteht darin, im aktuellen Tiefzinsumfeld angemessene Renditen zu erreichen. Das wird immer schwieriger: Die Differenz zwischen der risikolosen Rendite mit 10-jährigen Bundesobligationen und der Zielrendite hat sich seit 2007 von 1,8 auf 3,5 Prozentpunkte ausgeweitet. Und dennoch ist es den Kassen gelungen, den Deckungsgrad von 2007 nahezu zu erreichen. Laut PK-Umfrage der Swisscanto betrug der Deckungsgrad privater PKs vermögensgewichtet Ende 2014 knapp 114%, nach 110% im Vorjahr (siehe Seite 11). Das ist eigentlich eine gute Nachricht.

Schweizer Arbeitnehmer betrachten üblicherweise den von ihrer Pensionskasse ausgewiesenen Deckungsgrad, der nach Swiss GAAP berechnet wird. Viele international ausgerichtete Arbeitgeber bilanzieren aber gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP. Das hat zur Folge, dass der in den Bilanzen des Arbeitgebers dargestellte Deckungsgrad deutlich von dem durch die PKs ausgewiesenen, regulatorischen Deckungsgrad abweicht. Laut Towers Watson verschlechterte sich der Deckungsgrad der SLI-Unternehmen seit Ende 2014 um 4 Prozentpunkte auf 80 Prozent (siehe Seite 5).

Anpassungen im Vorsorgeplan sind unausweichlich

Das ist eine schlechte Nachricht, weil der Wert nach IFRS näher am Markt liegt. Der Chef der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde, Frank Schneider, hält IFRS in turbulenten Zeiten eindeutig für vertrauenswürdiger als Swiss GAAP. Der Unterschied ergibt sich vor allem durch den Diskotntierungssatz. Während nach IFRS die Rendite hochwertiger Anleihen als Zinssatz verwendet wird, wird bei Swiss GAAP (FER 26) die Formel gemäss FRP 4 eingesetzt. Das heisst: Die SLI-Unternehmen diskontierten ihre Vorsorgeverpflichtungen in 2014 mit durchschnittlich 2,2 Prozent (Vorjahr: 3,1%) und die PKs mit einem Referenzzins von 3,0 (gültig bis 30.9.2015).  Diese Diskrepanz weist auf bevorstehende Turbulenzen hin:

Erstens werden Arbeitgeber, die nach internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzieren, nach Wegen suchen den Deckungsgrad zu verbessern, weil damit auch die Kreditwürdigkeit der Unternehmen steigt. Sie werden im Stiftungsrat versuchen, die Höhe der Leistungen zu beeinflussen.

Zweitens kann man davon ausgehen, dass die Zinsen weiterhin tief bleiben. Der erwartete Referenzzins sinkt bis ins Jahr 2020 auf 0,75%. Das heisst: Die Deckungsgrade der PKs werden tendenziell sinken.

Einzelfaktoren ergeben kein Gesamtbild

Alles in allem werden die Vorsorgepläne den neuen Verhältnissen angepasst werden müssen. Um Entscheidungsträgern die Dringlichkeit für Anpassungen vor Augen zu führen, braucht es Vergleichsmöglichkeiten. Das Problem: Vergleiche sind in der heterogenen 2. Säule kaum möglich, zu unterschiedlich sind die Kassen. Deshalb sind PK-Ratings, wie diejenigen vom Tages-Anzeiger oder der Sonntags-Zeitung, unbefriedigend.  In den Rankings werden zwar Einzelwerte, wie beispielsweise Deckungsgrad, Sparzins oder Anlagerendite aufgeführt. Nicht möglich sind damit aber Aussagen zur finanziellen Gesundheit, Stabilität und Nachhaltigkeit der Kasse, weil die Zusammenhänge fehlen. Den Blick auf kurzfristige Strohfeuer-Highlights wie beste Jahresperformance oder niedrigste Verwaltungskosten zu richten, bringt ebenso wenig, wie sich von einem überdurchschnittlichen Rentenumwandlungssatz blenden zu lassen, wenn die Leistungen nicht nachhaltig sind.

PK-Fitnessbarometer – eine nützliche Entscheidungshilfe

Bis anhin fehlte ein brauchbares Gesamtrating, das die spezifische Situation der Kasse mitberücksichtigt und zwischen einzelnen Faktoren Zusammenhänge schafft. Dr. Büttner & Partner haben ein Modell entwickelt, das Gemeinschafts- und Sammelstiftungen im Hinblick auf ihre finanzielle Gesundheit und längerfristige Leistungsfähigkeit testet. Ab Seite 8 lesen Sie wie das Modell aufgebaut ist. Ein Novum ist: Die Gewichtung der einzelnen Faktoren folgt keinem starren Raster, sondern basiert auf einem intelligenten Skalierungsmodell. Intelligent, weil es die spezifische Situation der Kasse mitberücksichtigt.

Das neue PK-Rating ist vielversprechend und kann KMUs, welche ihren bestehenden Pensionskassenanschluss überprüfen oder einen neuen Anschluss evaluieren wollen, als echte Entscheidungshilfe dienen. Es macht den Vergleich zwischen PKs möglich und erhöht dadurch die Transparenz. Dies wird den Wettbewerb zwischen den Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen fördern und den gesunden, gut aufgestellten und nachhaltig gemanagten Kassen helfen, neue Anschlüsse zu gewinnen. Für Kassen, die weniger gut abschneiden, kann der Fitnessbarometer dazu dienen, Schwachstellen zu identifizieren.

In den kommenden Ausgaben von AWP Soziale Sicherheit lesen Sie einzelne konkrete Berechnungsbeispiele mit Kommentaren oder können eine Liste mit den Gesamtratings einsehen. An der AWP-Tagung am 17. Juni präsentieren Dr. Büttner & Partner erstmals das Rating-Modell der breiten Öffentlichkeit. Angaben zur Anmeldung finden Sie auf Seite 6.  

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