Die Token kommen

Von Susanne Kapfinger, Redaktionsleiterin AWP Soziale Sicherheit

Was wissen Sie über Tokens? Sie werden diesen Begriff in der nächsten Zeit bestimmt öfters hören. Denn die Tokenisierung der Vermögenswerte führt zu einer der wichtigsten Veränderungen auf dem Finanzmarkt.

Die OECD befasst sich mit dem Thema «Tokenisierung der Vermögenswerte» bereits in mehreren Studien. Dabei nimmt die Schweiz eine prominente Stellung ein. Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma), die Schweizer Börse, Fintech-Firmen und vereinzelte Vermögensverwalter zählen in diesem Bereich zu den Pionieren weltweit. Es werden derzeit wichtige regulatorische Weichen gestellt und erste Anwendungen fassen Fuss.

Börsenreife Technologie
Worum geht es? Die Tokenisierung von Vermögenswerten umfasst die digitale Darstellung von realen (physischen) Vermögenswerten in verteilten Geschäftsbüchern oder die Ausgabe traditioneller Vermögensklassen in tokenisierter Form. Tokenisiert werden können Wertpapiere wie Aktien und Anleihen, Rohstoffe wie Gold und andere nicht finanzielle Vermögenswerte wie Immobilien. Die Tokenisierung von Vermögenswerten ist zu einem der häufigsten Anwendungsfälle von Distributed-Ledger-Technologien (DLTs) auf den Finanzmärkten geworden. Durch die Tokenisierung werden der wirtschaftliche Wert und die daraus abgeleiteten Rechte in digitale Token eingebettet, die in einer Blockchain erstellt wurden.

Der Bereich mit dem grössten Wachstumpotenzial ist die Tokenisierung von finanziellen Vermögenswerten wie Aktien und Obligationen, weil hier lediglich eine Technologie durch eine andere ersetzt wird: Statt elektronische Bucheinträge in Wertpapierregistern von Zentralverwahrern vorzunehmen, werden die Einträge von DLTs erfasst und in dezentrale Hauptbücher aufgenommen. Mit Token versehene Wertpapiere sind demnach dematerialisiert und kryptografiebasiert.

Disruptiver Charakter von DTLs
Doch warum bietet die Tokenisierung überhaupt Potenzial? Die Anwendung von DLTs und intelligenten Verträgen – das sind Verträge, die auf Computerprotokollen basieren – bietet eine Reihe von Vorteilen. Dazu gehören Effizienzsteigerungen durch Automatisierung und Disintermediation; Transparenz; bessere Handelbarkeit von Vermögenswerten mit nahezu fehlender Liquidität; schnelleres Clearing und Settlement. Es ermöglicht auch Kleinsteigentum an Vermögenswerten, und damit den Zugang von Privatanlegern zu bislang unerschwinglichen beziehungsweise nicht ausreichend gegliederten Anlageklassen. Es erleichtert auch den Geldfluss privater Finanzierungen zu KMUs.

Für den Durchbruch dieser Technologie braucht es aber noch regulatorische Anpassungen. Der Konsumenten- und Investorenschutz sollte auf tokenisierte Märkte ausgeweitet werden. Es stellen sich aber auch Fragen rund um die digitale Identität, zum rechtlichen Status von intelligenten Verträgen, zum Datenschutz und zur Privatsphäre. Ebenso gilt es Probleme im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu lösen und der Handhabung von Schäden aufgrund technologischer Fehlleistungen oder fehlender realer Werthinterlegung. Gleichzeitig sind mit der Tokenisierung von Vermögenswerten in grossem Umfang noch eine Reihe von technologischen Herausforderungen verbunden wie der Netzstabilität.

Nichtsdestotrotz gibt es bereits zahlreiche Anwendungen (siehe AWP Soziale Sicherheit Ausgabe 1). Die Finanzmarkt-Infrastruktur in der Schweiz wird derzeit neu erfunden. Dabei spielen die Tokens eine zentrale Rolle.

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