Die Kunst des Investierens in grossem Stil

Drei Studien geben drei Einsichten: Die Leistungskürzungen setzen sich fort, bei Marktkorrekturen fallen viele Kassen in Unterdeckung und auf der Ertragsseite findet kein Umdenken statt, obwohl renditestärkere Anlagen zur Dikussion stehen. Das zeigen die aktuellen Studien von Swisscanto Vorsorge, Complementa  und der Oberaufsicht OAK BV. 

Kürzungen rückgängig machen

Ausser die Altrentner betreffen die Leistungskürzungen alle. Schlagzeilen machen vor allem Rentenkürzungen. Die rekordtiefen Umwandlungssätze stellen Neurentner vor eine nicht rückkehrbare Tatsache. Denn gesprochene Renten sind unantastbar. Derweil liegen die geplanten Umwandlungssätze 2017 in umhüllenden Vorsorgeeinrichtungen bei Männern zwischen 4,08 und 7,2%. 

Für den Neurentner macht es einen enormen Unterschied, ob seine Pensionskasse den Umwandlungssatz heute oder erst in ein paar Jahren anpasst. Dennoch muss er die Anpassung hinnehmen. Diese Willkür ist nicht gerecht. Werden dem Neurentner aber gleichzeitig Rentenerhöhungen in Aussicht gestellt, so ist die Leistungskürzung besser verdaubar. Genau das bezwecken variable Rentenmodelle: Der variable Teil der Rente folgt den Zinsen. Steigen die Zinsen, erhöht sich das variable Rententeil. 

Risiken richtig messen

Vorsorgeeinrichtungen tun sich schwer, bevorstehende Leistungskürzungen an ihre Versicherten zu kommunizieren. Insbesondere die Gemeinschafts- und Sammelstiftungen, da sie an Parametern wie Verzinsung und Umwandlungssatz gemessen werden und untereinander im Wettewerb stehen. Die OAK BV ortet hier Risiken und reagiert.

Im Dialog mit den Direktaufsichten klärt sie, welche Massnahmen zur Erhöhung der Transparenz sinnvoll und im Rahmen des geltenden Rechts umsetzbar sind. 2017 sollen basierend auf dem Jahresbericht einheitliche Risikokennzahlen eingeführt werden. Auch wird die Fachrichtlinie FRP4 der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten zum technischen Zinssatz überarbeitet und zum Standard erhoben.

Diese Vorkehrungen sind notwendig, da sehr viele Kassen die Wertschwankungsreserven nicht geäuffnet haben und die Gefahr besteht, dass sie in Unterdeckung fallen. Dies einerseits wegen dem anhaltenden Trend sinkender technischer Zinssätze. Andererseits notieren die Aktien-, Immobilien- und Obligationenmärkte auf Höchstständen. 

Die Sanierfähigkeit bei Pensionskassen mit hohem Rentneranteil ist allerdings beschränkt. Der Sicherheitsfonds BVG hat sich darauf vorbereitet: 2017 wurde der Beitragssatz für Zuschüsse wegen ungünstiger Alterstruktur und Entschädigungen von 0,08 auf 0,1% erhöht. 

Nicht optimale Aufstellung

Grösstenteils stabil bleiben hingegen die Anlagestrategien der Vorsorgeeinrichtungen. Dies, weil sie ihre Strategie für optimal halten. Die moderne Portfoliotheorie nach Markowitz zeigt, dass dem nicht so ist. Die bei voller Ausnutzung der BVV2-Vorschriften mögliche Effzienzgrenze wird nicht erreicht. Dies, weil die meisten Kassen alternative Anlagen meiden und so auf die Illiquiditätsprämie verzichten. Werden vorhandene Diversifikationsmöglichkeiten nicht ausgenutzt, kostet das Performance bei gleichem Risiko. 

Was bisher Erfolg hatte, reicht nicht, um die Zukunft zu gestalten. Es braucht gute Alternativen: Zum Beispiel variable Rentenmodelle oder die Ausnutzung sämtlicher Renditemöglichkeiten.

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