Bewährte Anlage-Rezeptur beachten

Von Peter Bezak, Ökonom und Anlageexperte bei Zurich Invest AG

Vor einem Jahr habe ich über die Aktienentwicklung im US-Präsidentschaftszyklus berichtet und über die hohen Erwartungen an 2021. US-Aktien konnten im ersten Amtsjahr von US-Präsident Biden wie erwartet zulegen und die Aktienmarktschwankungen sind zurückgegangen. Worauf sollten sich Anleger im Jahr 2022 einstellen und was brachte in der Vergangenheit das zweite Amtsjahr eines US-Präsidenten?

 

Hervorragendes Börsenjahr 2021

Letztes Jahr hat der Aktienmarktindex S&P 500 trotz der anhaltenden Corona-Krise und zunehmenden Inflationsängsten um etwa 27% zugelegt. Das ist historisch betrachtet ein überdurchschnittlich hoher Wert. Früher hatte der entsprechende der Aktienkorb im ersten Amtsjahr eines neugewählten US-Präsidenten im Durchschnitt etwas über 11% zulegen können. Ebenfalls positiv entwickelt hat sich 2021 das Ausmass der Schwankungen: Der Volatilitätsindex VIX, der die erwartete Schwankung des US-Börsenindex S&P 500 angibt, ist 2021 zu seinem langfristigen Durchschnitt zurückgekehrt. Zwar führte das Auftreten der Omikron-Variante Ende 2021 erneut zu einer höheren Volatilität an den Aktienmärkten, schadete aber dem Anlagejahr nicht so sehr. 

 

Insgesamt profitierten Anleger letztes Jahr von günstigen Bedingungen: Die sich erholende Konjunktur sowie die steigenden Unternehmensgewinne haben gleichermassen wie die expansive Fiskalpolitik und die lockeren geldpolitischen Rahmenbedingungen zur erfreulichen Entwicklung der Aktienmärkte beigetragen.

 

Altbekannte Realitäten in 2022

Anleger dürften 2022 vielen Themen aus dem vergangenen Jahr erneut begegnen: Die nun schon länger als vermutet anhaltende Inflation in Europa und den USA. Während die US-Notenbank Fed angesichts der Preissteigerungen fest entschlossen ist, mit einer strafferen Geldpolitik zu operieren und Anleger zwei bis drei Zinsschritte erwarten dürften, hat die Europäische Zentralbank EZB signalisiert, dass sie mit Zinserhöhungen warten möchte. Stark negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte dürften über das aktuelle Jahr gesehen beschränkt bleiben, da die Zinserhöhungen in den USA bereits eingepreist sind. Davon sollten Anleger nicht überrascht werden.

 

Diversifikation sicherstellen

Um in einem anspruchsvollen Marktumfeld keine Fehlentscheidungen zu treffen, ist die klassische Portfoliodiversifikation das beste Rezept. Durch Mischung verschiedener Anlagen im Portfolio – sei es mit traditionellen Anlagen wie Aktien und Obligationen oder mit Privatmarktanlagen wie Private Equity/Debt, Infrastruktur und Immobilien – können Investoren das Risiko signifikant reduzieren. Selbst wenn aussergewöhnliche Situationen auf die Märkte einwirken, bewegen sich diese Anlageklassen mittel- und langfristig betrachtet unterschiedlich und reduzieren so das Risiko des Gesamtportfolios.

 

An Risikofähigkeit anpassen

Weiter sollten Anleger regelmässig prüfen, ob ihre strategische Vermögensallokation nach wie vor ihrer Risikofähigkeit entspricht. Solange dies der Fall ist, besteht für Anleger kein Grund, ihre Anlagestrategie grundlegend anzupassen. Ein Festhalten an der gewählten Strategie zahlt sich in der Regel langfristig aus. Ob im Zeitraum von 1925 bis heute oder von 2000 bis heute: rund drei Viertel der Börsenjahre endeten positiv mit Durchschnittsrenditen von rund 12% respektive 9%. Übrigens: im zweiten Amtsjahr eines US-Präsidenten fiel die durchschnittliche Jahresrendite des Aktienmarktindex S&P 500 tiefer aus als im ersten Amtsjahr, legte aber immer noch im Jahresdurchschnitt um rund 8% zu.

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