Anreize zu Altersarbeit wirken Wunder

13. Dezember 2017, von *Reiner Eichenberger und Ann Barbara Bauer

Die Überalterung wird als Belastung für die Altersvorsorge und die Jungen gesehen. Dabei könnten die Alten mit steuerlichen Anreizen einfach dazu bewegt werden, freiwillig über 65 hinaus zu arbeiten. Damit würde die Alterung für alle zu dem, was sie in Wirklichkeit ist: Eine Quelle der Wohlfahrt. 

Probleme entstehen erst durch unser Renten- und Steuersystem.  Diese bewirken, dass mit der Alterung der Konsumbedarf stärker wächst als die Produktionskraft. Eine nachhaltige Reform der Altersvorsorge muss diese Produktionslücke schliessen. Die Alten müssen arbeiten. Doch das können oder wollen viele nicht. Was also tun?

Drei wichtige Reformbestandteile

Wir müssen Arbeit im Alter attraktiver machen. Das nützt allen und schadet niemandem. Drei Elemente geben wirksame Anreize freiwillig länger zu arbeiten und sichern die Altersvorsorge finanziell ab. Das erste Elemtne betrifft den Rentenaufschub mit Beitragsrabatt. Der heutige Mechanismus zur Flexibilisierung des Rentenalters erlaubt den Alten, den Rentenbezug aufzuschieben, um dann später eine höhere Rente zu erhalten. Es dauert aber rund 20 Jahre, bis sie mit Aufschub in der Summe mehr Rente erhalten als ohne. Entsprechend wird das Angebot kaum genutzt. Unser Modell hingegen belohnt den Rentenaufschub sofort – mit einem fairen Rabatt auf die Beiträge an die 1. und 2. Säule. Weil damit die Zahl der Beitragsjahre steigt und die Zahl der Rentenjahre sinkt, können die Rabatte enorm attraktiv sein. Nach unserer Schätzung könnte man Arbeitnehmern, die sich frühzeitig für Rente ab 67 entscheiden, von 55 bis 67 die Arbeitnehmerbeiträge oder von 61 bis 67 die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die 1. und 2. Säule erlassen.

Die zweite Massnahme beinhaltet die Teilbesteuerung von Altersarbeit. Heute ist es für Rentner unattraktiv zu arbeiten, weil Arbeitseinkommen zur Rente hinzugezählt und so durch Steuerprogression hoch besteuert wird. Mit den weiterhin anfallenden AHV-Beiträgen zahlen Rentner auf Arbeitseinkommen 35 bis 50% Steuern und Abgaben. Deshalb sind die Steuern und Abgaben auf Erwerbseinkommen über einem gewissen Alter (z.B. 67) zu senken – idealerweise zu halbieren. Das gibt den Rentnern wirksame Anreize weiterzuarbeiten.

Beim dritten Element geht es um Steuermehreinnahmen. Dank unserem Vorschlag würden viele Alte freiwillig weit über 65 hinaus arbeiten. Dadurch stiege ihr steuerbares Einkommen nicht nur nach 65, sondern auch zuvor, weil dann ihre steuerlich abziehbaren Rentenbeiträge sänken. Beides liesse das Einkommenssteueraufkommen steigen. Zusätzlich würden dank Mehrarbeit ab 65 auch das Bruttoinlandprodukt und damit die Mehrwertsteuereinnahmen wachsen. Wenn beispielsweise 20% der Arbeitskräfte bis 68 arbeiten würden, würden nach unserer Schätzung die Einnahmen aus Einkommenssteuern und Mehrwertsteuer um rund 1 Milliarde Franken jährlich steigen.

Diese zusätzlichen Steuereinnahmen sollten nicht einfach in die allgemeine Staatskasse fliessen und so das Staatswachstum anheizen, sondern gezielt in die Altersvorsorge gelenkt werden.

So würde unsere Reform dann allen nützen: den langarbeitenden Alten, den Arbeitgebern, und dank Absicherung der Altersvorsorge den normalarbeitenden Alten sowie den Jungen. 

Verweildauer bestimmt die Chancen 

Die regelmässig gegen Altersarbeit angeführten Argumente sind hinfällig. Jobs gibt es für die meisten Alten genug. Das Hauptproblem der Überalterung ist ja gerade, dass sie Arbeitskräftemangel bringt, weil der Konsum schneller wächst als die Produktion. Zudem sind die heutigen Probleme der Älteren auf dem Arbeitsmarkt weniger Folge ihres biologischen Alters als ihrer kurzen Restdauer bis zur Pensionierung. Je näher die sichere Pensionierung von Arbeitnehmern rückt, desto weniger lohnt es sich für ihre Arbeitgeber, ihre Arbeitskollegen und sie selbst in ihre Produktivität zu investieren. Mit der Erhöhung der erwarteten Verweildauer im Arbeitsmarkt wachsen deshalb die  auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Schliesslich gilt: Unser Modell ist äusserst flexibel. Die Prämien- und Steuerrabatte für Altersarbeit können auch auf soziale Ziele zugeschnitten werden, ohne dass die Reform ihre Wirkung verliert. 

Reiner Eichenberger ist Professor für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Forschungsdirektor des Center for Research in Economics, Management and the Arts.


Ann Barbara Bauer ist Doktorandin am Lehrstuhl für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Fribourg.

Veranstaltungen

Juni - 2020
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  01 02 03 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30