Höhere Klimatransparenz bei Finanzanlagen schaffen

Von Peter Bezak, Ökonom und Anlageexperte bei Zurich Invest AG

Diesen Frühling habe ich über die Nachhaltigkeitsberichterstattung geschrieben und wie mit der EU-Taxonomie Verordnung 2022 neue Offenlegungspflichten in Kraft treten. Die Schweiz und die EU gehen derzeit mit verschiedenen Initiativen auf eine harmonisierte Nachhaltigkeitsberichterstattung zu. Diesen Sommer lancierte der Bundesrat mit «Swiss Climate Scores» den nächsten wichtigen Schritt. Er wird Klimatransparenz bei Finanzanlagen bringen. Die Schweiz übernimmt so eine Pionierrolle bei der Schaffung von Transparenz von klimaverträglichen Finanzflüssen.

 

Schritt zu mehr Transparenz

Die «Swiss Climate Scores» sollen eine Best Practice in der Transparenz von klimaverträglichen Finanzanlagen schaffen. Damit fördert der Bund Anlageentscheidungen, die dazu beitragen, die globalen Klimaziele zu erreichen. Mit den Messgrössen «Treibhausgasemissionen» und «Exposition gegenüber fossilen Brennstoffen» können Investoren erfassen, wie stark das diesbezügliche Exposure in einem Investment-Portfolio ist. 

 

Weitere Messgrössen berücksichtigen die Zukunft und nehmen Bezug auf die globalen Klimaziele und den Netto-Null-Pfad bis 2050: Globales Erwärmungspotenzial, verifizierte Netto-Null-Bekenntnisse, glaubwürdiger Klimadialog und schliesslich Management auf Netto-Null. Diese insgesamt sechs Indikatoren schaffen für Finanzinstitute einen gemeinsamen Rahmen, an dem sie sich orientieren können. Deren Anwendung ist für Finanzunternehmen allerdings gegenwärtig freiwillig.

 

Die Frage nach der Verbindlichkeit

Im nächsten Schritt wird der Bund den Stand der freiwilligen Einführung der «Swiss Climate Scores» durch die Finanzteilnehmer bis Ende 2023 analysieren. Die Frage nach der Verbindlichkeit bleibt allerdings noch offen. Es fehlt aktuell die Gewissheit, dass Finanzmarktakteure in der Schweiz diese auf ihren Anlagelösungen und Kunden-Portfolios auch tatsächlich anwenden werden. Festzuhalten ist, dass es erste Erfahrungswerte braucht und die branchenweite Verwendung eine einheitliche Anwendung fördert. Die Messgrössen sind derzeit aufgrund zum Teil mangelnder Datenverfügbarkeit noch nicht auf alle Anlageformen anwendbar. Es wird sich zeigen, ob Optimierungen bei den «Scores» vorgenommen werden sollten und wie diese allenfalls aussehen werden.

 

Bewusstere Anlageentscheide

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sowohl freiwillige als auch obligatorische Offenlegungen Unternehmen ermöglichen, bewusstere Anlageentscheidungen zu fällen. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen profitieren so von wirtschaftlichen Chancen beim Übergang zu Netto-Null und reduzieren gleichzeitig Klimarisiken im Portfolio. Auch wenn nach Daten des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) und dem Bundesamt für Umwelt der Anteil der Schweizer Wirtschaft an den weltweiten Emissionen «nur» 0,1% beträgt, kann der Finanzplatz Schweiz zu einer positiven Veränderung beitragen. 

 

Sie hat auch gute Chancen, mit einer beschleunigten Integration von Klimafaktoren in Investitionsprozesse ihre führende Rolle im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft noch einmal zu stärken. Letztendlich führt der Weg zu einer Welt im Gleichgewicht über Unternehmen, die neue Produkte entwickeln und Emissionen vermindern, über Investitionen in Technologien und Innovationen sowie über mehr Transparenz und Anreize zur Veränderung.

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