Green Bonds nehmen Fahrt auf

Von Peter Bezak, Ökonom und Anlageexperte bei der Zurich Invest AG

Die Temperaturen steigen, Überschwemmungen treten häufiger auf, und in Brüssel befindet sich die Europäische Union mitten in einer jahrelangen, aufsehenerregenden Auseinandersetzung um eine Terminologie: Wenn Vermögensverwalter, Emittenten von Anleihen und Investoren das Wort «Green» verwenden, um eine Anleihe zu beschreiben, können sie sich dann alle darauf einigen, was es bedeutet?

Der Grundstein ist gelegt

Die Bemühungen um eine Definition des Begriffs «Green» erstrecken sich über eine sich ständig erweiternde Landschaft mit Anlagelösungen, die zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen sollen. Die EU hat mit der Verabschiedung einer Gesetzgebung in diesem Frühjahr den Grundstein dafür gelegt, was von Vermögensverwaltern verlangt wird, die grüne Fonds verwalten. Im Sommer hatte sie dann einen «Goldstandard für Green Bonds» vorgeschlagen. Die entsprechende Verordnung wird aber voraussichtlich erst in ein bis zwei Jahren verabschiedet. Die Anstrengungen der EU zeigen auch, wie schwierig es ist, den schnell wachsenden Markt für grüne Anleihen zu regulieren.

Neuer Emissionsrekord 2021

Global haben «Green Bonds» in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen: Ihr Emissionsvolumen hat sich nämlich seit 2014 vervielfacht. Dieses Jahr wird erneut ein neuer Emissionsrekord aufgestellt, derzeit mit über 348 Milliarden US-Dollar (Stand per Oktober 2021). Eine deutliche Zunahme im Vergleich zum Vorjahr mit rund 290 Milliarden US-Dollar. Die Schätzung von Climate Bonds Initiative (CBI) für 2021 liegt bei einem neuen Höchststand von 400 bis 450 Milliarden US-Dollar.

Der Green Trend zeigt nur in eine Richtung: nach oben

Die Europäische Kommission will in den kommenden fünf Jahren mit grünen Anleihen im Rahmen ihres COVID-19-Hilfspakets insgesamt 250 Milliarden Euro von Investoren über die Finanzmärkte einsammeln. Dieses Kapital soll vor allem für Klimaschutz im Einklang mit dem Green Deal verwendet werden. Damit will die EU bis 2026 der weltweit grösste Emittent von Green Bonds werden. Mittelfristig wird sich also der Wachstumstrend auf jeden Fall fortsetzen.

Zeit für Substitution?

Für Investoren stellt sich die Frage, wie sie Green Bonds in ihrer Bond-Allokation einflechten sollen. Sollen sie die traditionellen Obligationen substituieren oder vielmehr das bestehende Anleihen-Portfolio mit Green Bonds mischen? Denn trotz der Eigenschaft der Nachhaltigkeit weisen grüne Anleihen ein ähnliches Rendite-/Risiko Verhältnis auf wie die üblichen global aggregierten Anleihen-Benchmarks. Damit können Green Bonds grundsätzlich als Substitut für ein globales Fixed-Income-Portfolio dienen. Zudem sind Green Bonds eine relativ einfache und transparente Möglichkeit, mehr Nachhaltigkeit in ein Gesamtportfolio zu bringen, bei dem der Impact messbar ist in Form der erzielten CO2-Reduktion. Für Investoren empfiehlt sich in Anbetracht des grünen Trends die Allokation über die kommenden Jahre parallel zum Marktwachstum kontinuierlich auszubauen und nicht alles auf einmal zu substituieren.

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