Alternative auf der Überholspur

Susanne Kapfinger, Ökonomin und Redaktionsleiterin AWP Soziale Sicherheit

Pensionskassen weltweit schichten ihre Portfolios um - sie investieren vermehrt in alternative Anlagen. Und das Ausmass der Umschichtungen ist massiv, wie die Harvard-Studie «Looking for Alternatives: Pension Investments around the World» zeigt. Die 2 000 untersuchten Pensionskassen haben zwischen 2008 und 2017 rund 1,8 Billionen US-Dollar zu den Alternativen verschoben. In diese Kategorie fallen Investitionen in Private Equity, Private Debt, Immobilien, Hedgefonds, Infrastruktur und natürliche Ressourcen. Die Investments flossen aber hauptsächlich in Private Equity und Immobilien.

So unterschiedlich die Vorsorgesysteme auch sind, sie unterliegen diesem Trend: Während Pensionskassen in Industrieländern den Anteil alternativer Anlagen in ihren Portfolios von 7,2 auf 11,8 Prozent im Durchschnitt erhöhten, stieg diese Allokation in Schwellenländern von 1 auf 6,6 Prozent. Schweizer Pensionskassen gehören laut Studie wegen ihres hohen Immobilienanteils (Direktanlagen) nach den USA (20%) und Kanada (17%) zu den Top-Anlegern mit einem Alternativenanteil von 14 Prozent. Ein so breit gefasster Trend bleibt nicht wirkungslos und wird sich vermutlich auf Bewertungen und Renditen auswirken.

Starke Vorbilder

Alternative Anlagen werden kontrovers diskutiert. Einerseits steht diese Kategorie im Mittelpunkt einiger der erfolgreichsten Vorsorgestiftungen. Der Grund dafür liegt bezogen auf die Nettorendite in der Outperformance einiger Subkategorien alternativer Anlagen. Die öffentlichen Märkte haben risikobereinigt in den letzten zehn Jahren Private Equity und Risikokapital (Venture Capital) outerperformt, so die Studienautorin Victoria Ivashina. Das habe dazu geführt, dass alternative Investoren wie das Canadian Pension Plan Investment Board und die Yale-Stiftung viele Nachahmer gefunden haben.

Nachlassende Performance

Doch nicht alles ist Sonnenschein im Umfeld alternativer Anlagen. Drei Fakten werfen Schatten auf diese Anlageklasse. Erstens hat die Performance in den letzten Jahren nachgelassen: Berücksichtigt man das höhere Risiko und die Illiquidität, haben alternative Anlagen in den letzten paar Jahren kaum angemessene Renditen erbracht, urteilt Harvard-Professor Josh Lerner. Das kann damit begründet werden, dass diese Märkte sehr empfindlich auf Kapitalzuflüsse reagieren. In Jahren mit hohen Mittelzuflüssen werden häufig schlechtere Renditen erzielt als in ruhigeren Jahren. Die schlechteren Renditen seien teils durch die Aufwertung von Bewertungen und teils durch die Lockerung der Zeichnungsstandards erklärbar. Zweitens gibt es zwischen den Fondsanbietern enorme Performanceunterschiede. Der Hacken dabei: Ein Grossteil der Outperformer im Umfeld alternativer Anlagen steht laut Studie neuen Investoren gar nicht zur Verfügung. Drittens kann ein verstärktes Engagement in illiquide Anlagen während eines Abschwungs problematisch sein. In der Finanzkrise von 2008/09 konnte beispielsweise die Harvard-Stiftung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, so dass sie «Panikverkäufe» tätigen musste.

Ungenutztes Renditepotenzial

Die Schweizerische Bankiervereinigung und die Asset Management Plattform orten aber im Umfeld von Schweizer Pensionskassen noch ungenutztes Renditepotenzial durch mangelnden Einbezug alternativer Anlagen. Ihr Anteil verharrt unter Ausschluss von Immobilien seit einigen Jahren auf 6,4 Prozent. Das ist den Branchenverbänden zu wenig. Eine Erhöhung der Quote möchten sie durch regulatorische Lockerungen (Revision der BVV2-Richtlinie) erzielen. Das Versprechen: Höhere Renditen. Aktuelle Studien zeigen jedoch: Der globale Run auf Alternative bringt die Bewertungen und Renditen durcheinander.

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