2019 müssen Stiftungsräte besonders agil sein

16. Januar 2019, von Susanne Kapfinger

Die Anforderungen an Stiftungsräte im Bereich der beruflichen Vorsorge sind hoch und steigen dieses Jahr. Sie müssen in einem sich rasch verändernden Umfeld ein zunehmendes Mass an Agilität an den Tag legen. 

Flexibilität und Vitalität ist insbesondere bei der Beantwortung dreier Fragen nötig: Erfordern die steigenden Ansprüche der Gesellschaft an die Nachhaltigkeit Anpassungen im Investitionsprozess? Wann ist die Grenze der Portfolio-Diversifikation erreicht? Was tut die Kasse für die generelle Sicherung des BVG-Systems?

Vorhandene Tools nutzen

Erstens: Verantwortungsbewusstes investieren gehört längst nicht mehr «nur» zur guten Manier. Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien oder Impact Investing wird immer mehr zum Gebot. Es ist ein Anspruch, den die Weltgemeinschaft in der UNO-Resolution für nachhaltige Entwicklung an die Finanzindustrie erhebt. 

Der Druck steigt, Investitionen in ressourcenschonende Firmen zu lenken und den CO2-Fussabdruck zu verkleinern. Der Ständerat befindet aktuell über eine Umweltabgabe auf Flugtickets. Wird die Ticketabgabe nicht ins CO2-Gesetz aufgenommen, hat Grünen-Chefin Regula Rytz bereits eine Volksinitiative angekündigt.

Auf europäischem Parkett steht die EU-Nachhaltigkeitsverordnung an. Dabei geht es um ein Nachhaltigkeitslabel für Anlageprodukte, das als Pendant zur Risikoklasse etabliert werden soll. Brüssel will damit Verantwortungsbewusstsein stärken. 

Das bedeutet für Schweizer Vorsorgeeinrichtungen, dass die Vorgaben für die Nachhaltigkeit sukzessiv strenger werden. Je früher der Stiftungsrat diese Forderungen aufnimmt, desto mehr Zeit gewinnt er für Anpassungen im Investmentprozess. Auf der Plattform Swiss Sustainable Finance – das Schweizer Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit – stehen neue Tools zur Verfügung, die helfen Nachhaltigkeitsziele zu definieren. 

Grenzen der Diversifikation ausloten

Zweitens: Die anhaltend tiefen Zinsen zwingen Investoren, mehr Risiken einzugehen. Die Anlageportfolios der Pensionskassen sind folglich diversifizierter, gleichzeitig hat sich auch die Sharpe Ratio tendenziell verbessert. Die Zusatzrenditen wurden demnach nicht auf Kosten eines höheren Portfoliorisikos erzielt. 

Folglich lohnt es sich – unter Berücksichtigung der eigenen Risikofähigkeit – zu diversifizieren. Dies auch über unkonventionelle Anlageklassen. Es gilt so lange zu diversifizieren, bis das optimale Portfolio respektive das Maximum der risikoadjustierten Rendite erreicht wird. Dies wird Stiftungsräte stark beanspruchen, weil sie sich mit neuen Anlageklassen auseinandersetzen müssen.

Die gute Nachricht ist: Vorsorgeeinrichtungen sind auch neue Anlageklassen zugänglich, wie beispielsweise Venture Capital (Risikokapitalfinanzierung). Aktuell läuft etwa die Zeichnungsfrist für einen Wachstumsfonds der Zürcher Kantonalbank (zweite Tranche) an. Er bietet Zugang zu zukunftsträchtigen Wachstumsunternehmen in der Expansionsphase. 

Veränderungen initiieren

Drittens: Die Zeit läuft, um eine BVG-Reform auf die Beine zu stellen, die das Geschäft der Kollektiv-Lebensversicherung effizienter, gerechter und nachhaltiger gestaltet. Die Sozialpartner sind vom Bundesrat gefordert, bis zum Sommer Lösungen einzubringen. Ob diese Reform gelingt, hängt aber nicht zuletzt auch vom Engagement der Vorsorgeeinrichtung ab. 

Dazu gehört die Mobilisierung der eigenen Versicherten. Denn jeder Versicherte ist auch ein Wähler. Es braucht mehr Aufklärungsarbeit seitens der Pensionskassen. Am glaubwürdigsten ist, aus erster Hand zu erfahren, welche Lösung die Beste für die eigene Pensionskasse ist.

Fortlaufende Strukturanpassungen

2019 sind die Stiftungsräte mehr denn je gefordert: Die Bevölkerung und Regulierer werden strengere ESG-Standards fordern. Die grösste Aufgabe des Stiftungsrates ist hier, den Mainstream der ESG-Integration zu antizipieren. Zudem muss er sich mit bisher «unbekannten» Anlageklassen (Diversifikationsmöglichkeiten) auseinandersetzen, um die risikoadjustierte Rendite maximieren zu können. Der Stiftungsrat hat ebenso einfallsreich zu sein. Er muss sicherstellen, dass seine Versicherten «richtig» wählen.

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