Makropolitik hat ausgedient

Von Susanne Kapfinger, Ökonomin und Leiterin von AWP Soziale Sicherheit

Geld- und Fiskalpolitik helfen, Krisen zu bewältigen. Ihre die Wirtschaft stimulierende Wirkung ist wissenschaftlich belegt. Ob das Krisen-Heilmittel auch in Zukunft wirkt – eine neue Studie kommt zum Schluss: Jein. Denn makroökonomische Massnahmen verpuffen zunehmend, je älter die Bevölkerung eines Landes ist.

Makropolitik mit wenig Wirkung

Die zwei Forscher Hiroaki Miyamoto und Naoyuki Joshino haben anhand von Paneldaten der OECD-Länder untersucht, wie das Alter einer Gesellschaft mit der Geld- und Fiskalpolitik der entsprechenden Volkswirtschaft zusammenhängt. Das Ergebnis: Während in nicht alternden Volkswirtschaften eine lockere Geld- und Fiskalpolitik die Produktion kurz- und mittelfristig signifikant erhöht, sind in alternden Gesellschaften die Produktionsreaktionen statistisch nicht signifikant. Das heisst: In älteren Volkswirtschaften verfehlen makroökonomische Massnahmen die erhoffte Wirkung – auch wenn sie ultra-expansiv sind.

Das Beispiel Japan macht es deutlich: Dort lebt die älteste Bevölkerung der Welt. Die Wirtschaft leidet unter einer langfristigen Stagnation, die auf das Platzen der Wirtschaftsblase vor drei Jahrzehnten zurückgeht. Seitdem ist die Geld- und Fiskalpolitik darauf ausgerichtet, die Wirtschaft zur Erholung zu bewegen – ohne Erfolg, obwohl die expansive Geld- und Fiskalpolitik anfangs vorübergehende Erleichterung gebracht hatte.

Erwerbsquote ist bedeutend

Warum aber ist eine lockere Geld- und Fiskalpolitik in alternden Volkswirtschaften weniger wirksam? Dies hat folgenden Grund: Makroökonomische Massnahmen wie eine Zinssenkung oder die Erhöhung der Staatsausgaben kurbeln die Nachfrage an, was den Druck auf die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital erhöht. In der Folge steigen die Löhne und somit verfügen die Erwerbstätigen über mehr Geld. Je mehr Erwerbstätige ein Land prozentual zählt, desto mehr wird entsprechend auch konsumiert. In alternden Volkswirtschaften sinkt aber die Erwerbsquote. Deshalb wirkt auch die Geld- und Fiskalpolitik immer weniger.

Bessere Rahmenbedingungen

Die Ergebnisse der Studie des Asian Development Bank Institute (ADBI) sind auch für die Schweiz von Bedeutung. Im Vergleich zu den Japanern sind die Schweizer im Schnitt nicht viel jünger. Das Medianalter beträgt hier rund 43 Jahre – gegenüber 48 Jahren in Japan oder 39 in den USA. Laut Prognosen des Bundes altert die Schweiz in hohem Tempo: Die Bruttoerwerbsquote dürfte bis 2050 von aktuell 58 auf 54 Prozent sinken.

Die Politik muss also auch andere Mittel als makroökonomische Massnahmen in Erwägung ziehen, um Wirtschaftskrisen zu bewältigen. Gesucht sind Massnahmen, welche die Erwerbsbevölkerung stärken und die Erwerbsquote erhöhen. Dazu zählen etwa Strukturreformen. Die asiatische Denkfabrik ADBI empfiehlt die Erhöhung des Rentenalters und Schaffung von Anreizen zum längeren Arbeiten. Das setzt natürlich voraus, dass genügend Arbeitsplätze vorhanden sind. Die Weltbank empfiehlt deshalb auch, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern und die Flexibilität der Arbeits- und Produktmärkte zu erhöhen.

In der Schweiz ist eine Erhöhung des Rentenalters laut Umfragen politisch kaum durchsetzbar. In einem ersten Schritt müssten deshalb die Arbeitsbedingungen verbessert werden, damit ältere Personen möglichst lange erwerbstätig bleiben. Das könnte beispielsweise über flexiblere Arbeitszeiten oder häufigere Pausen erreicht werden. Ein entsprechender Steuerbonus wäre zudem eine Möglichkeit, um ältere Personen zur Fortführung ihrer Erwerbstätigkeit zu ermuntern

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