«Ziel ist das langfristige Wohlergehen»

Sustainable Investing erfordert zwar eine Anstrengung. Rachel Whittaker, Head of Sustainable Alpha Research der Vermögensvewalterin Robeco, ist jedoch überzeugt, dass es sich lohnt – und zwar immer.
Susanne Kapfinger: Was haben nachhaltige Portfolios bisher bewirkt?
Rachel Whittaker: Nicht alle nachhaltigen Portfolios sind gleich. Einige Ansätze zielen darauf ab, die Werte der Anleger in den Anlageentscheidungen zu spiegeln, ohne dabei unbedingt direkte reale Veränderungen zu bewirken. Andere versuchen, die erwarteten Renditen uneingeschränkter Portfolios möglichst genau zu replizieren, was die Fähigkeit einschränken kann, Nachhaltigkeitsziele zu berücksichtigen. Wieder andere priorisieren den Impact der Unternehmen, in die sie investieren – auch wenn dies bedeutet, dass finanzielle Ergebnisse nicht immer maximiert werden.
Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen ist aufwändig. Lohnt es sich?
Aus rein renditeorientierter Sicht ist ein besseres Verständnis der Vielzahl potenzieller Einflussfaktoren auf das Geschäftsmodell und die zukünftige Rentabilität eines Unternehmens immer eine fundiertere Investitionsentscheidung.
Wann ist eine Anlagestrategie erfolgreich?
Obwohl wir dem nachhaltigen Investieren verpflichtet sind, ist es wichtig zu betonen, dass wir ein Vermögensverwalter sind. Starke finanzielle Renditen für unsere Kunden zu erzielen, ist nicht nur wichtig, sondern grundlegend für unsere Raison d’être. Erfolg bedeutet für uns, ein optimales Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeits- und Finanzzielen zu finden und Performance für Kunden zu erwirtschaften, die langfristig mit uns zusammenarbeiten möchten.
Was sind die Herausforderungen, ein Portfolio nachhaltig auszurichten?
Verschiedene Pensionskassen haben unterschiedliche Prioritäten. Daher ist es nicht einfach, ein nachhaltiges Portfolio nach dem Prinzip «One size fits all» zu erstellen. Operativ bedeutet dies, dass wir äusserst robuste Prozesse benötigen, um Tausende unterschiedlicher Anweisungen einzelner Kunden oder Einschränkungen spezifischer Portfolios zu verwalten und sicherzustellen, dass unsere Fonds ihre Verpflichtungen erfüllen. Da wir mit Kunden weltweit zusammenarbeiten, müssen wir ausserdem unterschiedliche kulturelle Prioritäten im Bereich Nachhaltigkeit verstehen und uns in verschiedenen regulatorischen Rahmenbedingungen für nachhaltige Anlageprodukte zurechtfinden.
Wo stehen Pensionskassen in Bezug auf nachhaltige Investmentstrategien?
Die Debatte darüber, ob Treuhandpflichten die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit zulassen, ist noch nicht abgeschlossen – obwohl in einigen Ländern stärker akzeptiert wird, dass die Treuhandpflicht philosophisch, wenn auch nicht immer rechtlich, mehr umfasst als nur Finanzen, nämlich auch das langfristige Wohlergehen der Begünstigten, ihrer Nachkommen und ihrer Umwelt.
An dieser Diskussion beteiligen sich aber die kleineren Kassen kaum.
Die Herausforderungen – insbesondere für kleinere Pensionskassen – können ein Mangel an finanziellen oder personellen Ressourcen sein, um nachhaltige Investitionsmöglichkeiten vollständig zu prüfen oder mit den Anforderungen an Berichterstattung, Daten oder der Produktauswahl umzugehen. Investmentberater übernehmen oft diese Rolle, um bei der Navigation durch den Markt zu helfen. Heute gibt es mehr Optionen und Unterstützung als je zuvor, damit jeder Pensionsfonds Nachhaltigkeitsziele verfolgen kann.
Verschärft sich der Wettbewerb unter den Anbietern und Beraterinnen?
Der Bereich Sustainable Investing hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt, dass es für neue Vermögensverwalter extrem schwierig sein dürfte, mitzuhalten. Erfahrene Anbieter können mit den sich wandelnden Anlegerpräferenzen und Marktanforderungen besser Schritt zu halten.

