Privatmärkte im 4-Wheel-Drive

Luise Dambly, Redaktorin AWP Soziale Sicherheit

 

Ein Geländewagen fährt bergauf, über eine holprige Kiesstrasse: Mit diesem Bild illustriert der Global Private Markets Report von McKinsey den Zustand der Privatmärkte 2026. Die Message dahinter: Es geht nach oben, wenn auch nicht mehr so rasant wie vor 2021. So stieg das globale Volumen an Private-Equity-Deals 2025 um 19 Prozent. Das Wachstum war aber vor allem grösseren Deals zu verdanken – denn die Anzahl an Deals nahm um 9 Prozent ab.

Pensionskassen zurückhaltend 

In diesem Umfeld haben auch Schweizer Pensionskassen ihre Aktivität an den Privatmärkten 2025 kaum intensiviert. Der Anteil Alternativer Anlagen und von Infrastruktur hat sich nur geringfügig verändert, so die Pensionskassenstudie der Complementa. Das ist nichts Neues: Seit rund 10 Jahren stagniert der Anteil um die 10 Prozent-Marke. 

Dabei – so zeigt die Erfahrung – lohnt sich die Teilhabe an den Privatmärkten: Laut Zahlen der UBS verzeichnete Private Equity seit 2011 nur in zwei Jahren eine negative Performance. Zurückhaltend sind insbesondere kleinere Pensionskassen. In ihrem Portfolio machen Alternative Anlagen nur 4,2 Prozent aus, während es bei grösseren Kassen 6,8 Prozent sind, so Swisscanto. 

Der Markt wird vielfältiger 

Doch gerade der Wandel der Privatmärkte vom schnellen Sport- hin zum Geländewagen könnte mit Chancen für kleinere Pensionskassen einhergehen. Der Rückgang klassischer Exits nach dem Boom bis 2021 führte zu einer grösseren Vielfalt von Investitionsstrukturen, so McKinsey. Diese «technische» Aufrüstung verschafft Investoren nun mehr Möglichkeiten im Portfoliomanagement. 

Unterstützt wird dieser Trend auch durch das wachsende Interesse vermögender Privatkunden. Für diese Anleger werden zunehmend Strukturen angeboten, die mit tieferen Mindestanlagen und periodischen Rückgabemöglichkeiten einen leichteren Zugang zu den Privatmärkten ermöglichen. Das könnten sich auch kleinere Pensionskassen zu Nutze machen. 

Hilfreich ist auch der Wandel der Privatmärkte hin zu mehr Transparenz. So entwickelt die UBS gemeinsam mit MSCI aktuell eine KI-gestützte Plattform, die Daten und Analysen zu den Privatmärkten bereitstellen soll.

Kein Weltmarkt ohne Privatmarkt

Die Motivation in Privatmärkte zu investieren, ist für 87 Prozent der Schweizer Pensionskassen Diversifikation, so die Complementa. Tatsächlich führen immer spätere Börsengänge dazu, dass die reine Partizipation an den Börsen ein tendenziell unvollständigeres Bild der Weltwirtschaft abdeckt. 

Wer jedoch nicht das gesamte Spektrum aller Anlagen für sich nutzt, droht Anlagechancen zu verpassen. Beispiele für Private Market Assets die heute zu globalen Wirtschaftsgrössen gehören, gibt es viele: Galderma, Tesla, Spotify ...

Aktuell gefragt: Infrastruktur 

Innerhalb der globalen Privatmärkte erfreut sich aktuell insbesondere Infrastruktur zunehmender Beliebtheit. Infrastrukturfonds sammelten laut McKinsey 2025 so viel Geld ein wie nie zuvor. Getrieben wird der Markt einerseits von massiven Investitionsbedarfen, andererseits überzeugt die relativ hohe Stabilität der Anlageklasse in wirtschaftlich bewegten Zeiten. 

Doch: Schweizer Pensionskassen müssen aufpassen. Nicht jeder Infrastruktur-Fonds eignet sich. Je nach Fremdkapitalanteil fällt das Investment in unterschiedliche Anlagekategorien gemäss BVV2. In der Praxis kann das zu einem erhöhtem Aufwand führen.

Wer wagt, gewinnt 

Die Bedingungen für ein Wachstum der Privatmärkte in den Portfolios der Schweizer Pensionskassen sind gegeben – worauf es ankommen wird, ist der Wille und der «Need». Allerdings ist davon auszugehen, dass die rekordhohen Deckungsgrade von 2025 nicht den Wagemut fördern. Denn zugespitzt gesagt: Ist das Ergebnis «good enough», gibt es wenig Anreiz zur Optimierung.

Fakt ist aber: Die Top-Performer unter den Schweizer Pensionskassen investieren laut Swisscanto mehr als doppelt so viel in Alternative Anlagen wie die Bottom-Performer.