Totgesagte leben länger

von Luise Dambly, Redaktorin AWP Soziale Sicherheit

«Auch ein Skandal ist Werbung»: Ein Bonmot, das sich in diesem Jahr auch für den Private-Credit-Markt bewahrheiten könnte. Denn die mediale Aufmerksamkeit rund um die einzelnen Kreditausfälle bringt auch Analysen hervor – und nicht nur pauschale Skepsis.

Und die zeigen: Die aufgetauchten Probleme sind keineswegs ein Schwanengesang der Branche – sondern zeugen vielmehr von Wachstumsschmerzen. In den vergangenen Jahren öffnete sich der Markt über Evergreen-Strukturen zunehmend für Privatanleger und es entstand ein folgenschweres Missverständnis: Die Illiquidität der Anlageklasse rückte unter dem Deckmantel der semi-liquiden Strukturen in den Hintergrund. 

Versprechen, die verfangen 

Die Beliebtheit dieser semi-liquiden Strukturen – die globalen Zuflüsse verzehnfachten sich laut einer Studie des MSCI zwischen 2020 und 2025 – zeigt jedoch, dass die Versprechungen auf offene Ohren stossen. In einer Zeit, in der Obligationen kaum lohnen, verspricht Private Credit einen stabilen Cashflow. Dabei kommt die Finanzierung nicht nur für Unternehmen infrage, deren Risiko für eine Kreditvergabe durch Banken zu hoch ist, sondern beispielsweise auch für wachstumsstarke Unternehmen, die die Flexibilität solcher Finanzierungen schätzen.

Dass die Anlageklasse einen dauerhaften Vertrauensverlust hinnehmen muss, ist daher eher nicht zu erwarten. In der Schweiz wurden in den vergangenen Wochen neue Fonds angekündigt: Partners Group lancierte eine globale Multi-Sektor-Strategie und die International Finance Corporation baut gemeinsam mit BlueOrchard ein Vehikel für Private Debt in Schwellenländern auf. 

Gut Ding will Weile haben

Institutionelle Anleger in der Schweiz sind bei Private Credit indes noch zurückhaltend. Der diesjährige Financial Stability Report der SNB stellt aber fest, dass auch hierzulande das Interesse «auf der Suche nach Rendite und zur Risikostreuung» zugenommen hat.

Klar ist allerdings: Wer als institutioneller Anleger kuratierte Private-Markets-Angebote statt der «Abo-Variante» von Evergreen-Strukturen sucht, hat es schwerer. Zum einen sind solche Anlagen operativ anspruchsvoll. Zum anderen ist Private Credit historisch eng mit Private-Equity-Buyouts verknüpft – und diese stagnieren derzeit.

Transparenz nimmt zu

Doch es gibt Hoffnung: Mit dem Ausbau von digitalisierten Plattformen, die Informationen bündeln, steigt die Transparenz. Und es ist zu erwarten, dass dadurch das Interesse an der Finanzierung auch bei mittelständischen Unternehmen im Privatbesitz zunimmt. Denn die Banken ziehen sich aus diesem Bereich zunehmend zurück. 

Wachstum finanzieren 

In diesem Kontext bietet sich Pensionskassen eine Chance, zur Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft beizutragen. Gerade erst forderte IMD-Business-School-Präsident David Bach mehr Pensionskassengelder zur Finanzierung von Start-ups – der Rückgang internationaler Investitionen in der Schweiz sei ein Warnsignal.

Damit steht Bach in einer Argumentationslinie mit dem Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit Europas, der unter anderem mehr Risikokapital fordert. Private Credit kann Europas Innovationsproblem zwar nicht an der Wurzel lösen, aber die Finanzierung der Skalierungsphase ergänzen.