Invaliditätsrisiken 2. Säule – Lösungen statt Panik

Die steigende IV-Neurentenquote wirft auch für die berufliche Vorsorge Fragen auf. Zwar ist die Bindungswirkung der IV-Entscheide eine Realität, entscheidend ist jedoch, wie Invaliditäts- und Todesfallrisiken frühzeitig erkannt, bewertet und gesteuert werden. Ein professionelles Risikomanagement mit laufendem Monitoring schafft Transparenz und ermöglicht rechtzeitige Massnahmen, bevor aus Entwicklungen finanzielle Belastungen werden.

von Regina Knöpfel (CEO) und Andreas Heimer (CCO) PK Rück

Bei frühzeitiger Kenntnis von Arbeitsunfähigkeitsfällen mit mehr als 30 Tagen Dauer und deren Entwicklung können passende Massnahmen zur Eindämmung und korrekten Beurteilung von Invaliditätsrisiken eingeleitet werden, um diese Risiken bestmöglich im Griff zu haben. Erfolgreiche Lösungen verbinden Datenanalyse, Risikomanagement, Prävention und Wiedereingliederung zu einem integrierten Gesamtkonzept.

Die PK Rück hat am 31. März 2025 eine Invaliditätsstudie1 herausgegeben, bei der die Relevanz der Invaliditätsrisiken für die zweite Säule im Fokus stand. Basierend auf der Wirksamkeitsstudie zum Wiedereingliederungsmanagement aus dem Jahr 2022 sowie auf den aktuellen und künftig erwarteten Entwicklungen der Invalidität ist der Handlungsbedarf klar: Zur Vermeidung von Invalidisierungen ist es auch in Zukunft wichtig, gezielt und ergänzend zu den Bestrebungen der Betriebe, der Taggeldversicherer und der IV-Stellen Massnahmen zur Wiedereingliederung und zur Prävention zu unterstützen. Die Dauer vom Beginn der zur Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeit bis zur Verfügung der IV-Stelle mit Rentenzusprache betrug im Jahr 2025 für den Bestand an aktiven Versicherten der PK Rück im Median 38 Monate (2024: 37 Monate). Das bedeutet für die im Jahr 2025 gemeldeten Arbeitsunfähigkeitsfälle, dass daraus neu entstehende Invalidenrenten mehrheitlich in den Jahren 2028 und 2029 zugesprochen werden.

Die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitsquoten verdeutlicht zwei Auffälligkeiten:

– Bereits seit 2015 weisen Frauen bis 49 Jahre deutlich höhere Arbeitsunfähigkeitsquoten auf als Männer derselben Arbeitsgruppe. Bei Personen ab 50 Jahren lagen die Werte damals bei den Männern noch leicht höher

– Besonders auffällig ist die dynamische Entwicklung bei den Frauen. Die Arbeitsunfähigkeitsquoten steigen stärker als bei den Männern. Dank gezielter Präventions- und Wiedereingliederungsmassnahmen der PK Rück führt dies jedoch bislang nicht im gleichen Ausmass zu Invaliditätsfällen.

Die aktuellen IV-Statistiken spiegeln erst die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeiten bis 2023 wider. Die jüngsten Trends werden sich deshalb zeitlich verzögert in den Invaliditätszahlen zeigen und die weitere Entwicklung wird laufend beobachtet und analysiert. Auch Vorsorgeeinrichtungen sind gefordert, diese Entwicklungen frühzeitig zu analysieren und ihre Risikosteuerung entsprechend auszurichten. Aufgrund ihrer Nähe zu den angeschlossenen Unternehmen verfügen sie über gute Voraussetzungen, Präventions- und Wiedereingliederungsmassnahmen gezielt zu unterstützen.

Einbindung in die Strategie der Vorsorgeeinrichtung

Der Umgang mit Invaliditäts- und Todesfallrisiken ist eine strategische Führungsaufgabe. Stiftungsräte und Geschäftsleitungen müssen entscheiden, wie aktiv Risiken überwacht, bewertet und gesteuert werden sollen und welche Kompetenzen intern oder über externe Partner zur Verfügung stehen. Strategische Partnerschaften können dabei helfen, die Massnahmen optimal auf die Struktur und die Risikomerkmale des jeweiligen Versichertenbestandes abzustimmen. So lassen sich finanzielle Risiken reduzieren und gleichzeitig die Interessen der Versicherten und angeschlossenen Arbeitgeber nachhaltig unterstützen.

Die Erfahrungen der PK Rück zeigen: Invaliditätsrisiken lassen sich nicht verhindern, aber sie können früh erkannt, aktiv begleitet und gezielt beeinflusst werden. Entscheidend sind eine klare Strategie, konsequentes Monitoring und wirksame Massnahmen.

Download der Studie "Fokus 2. Säule – Invaliditätsentwicklung"