Infrastruktur als Stabilitätsanker

Von Peter Bezak, Director bei Zurich Invest AG

Geopolitische Spannungen, Energieknappheit und der KI-getriebene Stromhunger unterziehen Infrastrukturanlagen einem Stresstest. Für Pensionskassen zeigt sich gerade jetzt, ob Infrastruktur im Portfolio nur «nice to have» ist – oder tatsächlich Resilienz liefert. Wer über Sektoren und Regionen diversifiziert und auf gut strukturierte Vertragsmodelle setzt, kann auch bei Veränderungen von Rahmenbedingungen in Themen wie Energie-, Verkehrs- und Datensystemen verlässliche, langfristige Erträge erzielen.

 

Infrastruktur als Kernallokation

Viele Vorsorgeeinrichtungen haben Infrastruktur von der exotischen Beimischung zur Kernallokation ausgebaut. Langfristige, planbare Cashflows, Inflationsschutz und tiefe Korrelationen zu Aktien und Anleihen sind im aktuellen Umfeld starke Argumente. Auch regulatorische Anpassungen bei den Quoten eröffneten Pensionskassen zusätzlichen Spielraum. Gleichzeitig wächst der Anspruch von Aufsicht, Stiftungsräten und Investoren, Infrastruktur nicht nur mit Renditeaussichten zu begründen, sondern als nachvollziehbaren Beitrag zur Stabilität und Krisenfestigkeit des Gesamtportfolios zu nutzen.

 

Diversifikation als Schutzschild

Gleichzeitig hat die Verwundbarkeit von Energie- und Datennetzen durch geopolitische Konflikte und Cyberangriffe deutlich zugenommen. Kritische Infrastrukturen – von Stromnetzen über Pipelines bis zu Kommunikationsknoten – sind heute Ziel potenzieller geopolitischer Machtspiele. Für Pensionskassen bedeutet dies: Resilienz beginnt mit geografischer Diversifikation und der Meidung politischer Hotspots. Statt auf einzelne «Hero Assets» in fragilen Regionen zu setzen, zielt das Risikomanagement auf breite Cluster über verschiedene Rechts- und Währungsräume ab – inklusive Stressszenarien für Sanktionen, Enteignungsrisiken und länger dauernde Ausfälle.

 

Von Beton zu Bytes

Klassische Kerninfrastrukturen wie regulierte Netze, Mautstrassen oder Versorgungsbetriebe bleiben ein Eckpfeiler für stabile, inflationsgekoppelte Erträge. Gleichzeitig erweitert sich der Fokus hin zu Infrastrukturen für digitale Dienstleistungen: Glasfaser, Funktürme und Rechenzentren profitieren von Digitalisierung und Deglobalisierung, da Unternehmen die Produktion und die Versorgung stärker regionalisieren und dadurch mehr lokale Netze, Logistik und Energieinfrastruktur benötigen. Die Kehrseite: Vernetzte Infrastrukturen – etwa IoT-gesteuerte Solarparks oder intelligente Router – eröffnen neue Angriffsflächen für Cyberrisiken. Resiliente Portfolios kombinieren deshalb traditionelle Versorgung (Wasser, Abfall, Netze) mit «High-Tech»-Infrastruktur (Data, Connectivity) – und fordern dabei durchweg hohe Standards bei Cybersicherheit und Governance.

 

KI treibt Strombedarf

Der KI-Boom treibt den Stromverbrauch rasant in die Höhe. Datacenter sind daher keine reine «Software-Wette», sondern physische Infrastruktur mit handfesten Energie-, Kühlungs- und Standortrisiken. Für Investoren werden der Zugang zu erneuerbaren Energien, Netzausbau, Wasserverfügbarkeit und langfristige Abnahmeverträge mit bonitätsstarken Abnehmern zum zentralen Prüfstein.  Wer Risiken möglichst klein halten will, muss hier genau hinschauen. 

 

Resilienz für PK-Portfolios

Resilienz in Infrastrukturanlagen bedeutet: verlässliche Ausschüttungen auch in Krisen, tragbare Risiken und solide Governance. In Anlageausschüssen verschiebt sich die Debatte damit von «Wie viel Infrastruktur?» zu «Welche Infrastruktur stärkt unsere Resilienz?». Mit klaren Anforderungen sowie der richtigen Mischung aus Regionen und Sektoren machen institutionelle Investoren Infrastruktur zu einem echten, langfristigen Stabilitätsanker.