«Explorative Allokationen in Krypto»

Die institutionelle Akzeptanz von Krypto-Assets nimmt zu, sagt Fabian Dori, CIO bei Sygnum. Vorreiter seien vor allem Marktakteure, die Erfahrung  mit Venture Capital und alternativen Anlagen haben – dazu gehören auch PKs. 

Susanne Kapfinger: Wie steht es um die institutionelle Akzeptanz für digitale Assets?

Fabian Dori: Die US-amerikanischen Reformen des Kryptomarktes haben die institutionelle Akzeptanz vertieft. Sie haben beispielsweise die Pensionsfonds von Wisconsin und Michigan dazu veranlasst, in Bitcoin-Spot-ETFs zu investieren. Dieser Trend beginnt sich auch in der Schweiz abzuzeichnen. Unterstützt durch den klaren regulatorischen Rahmen der Finanzmarktaufsicht prüfen Institutionen wie Pensionskassen ein Krypto-Engagement, oder setzen dies bereits um wie die Postfinance. 

Wie lassen sich Krypto-Assets in die Anlagestrategie aufnehmen?

Dazu stehen eine Reihe von Anlagemöglichkeiten zur Verfügung. Digitale Vermögenswerte sollten deshalb als Anlageuniversum und nicht als einzelne Anlageklasse betrachtet werden. Man kann beispielsweise in bestimmte Token investieren, um von potenziellen Kursbewegungen zu profitieren oder man investiert in marktneutrale Krypto-Renditestrategien. Denkbar sind auch Investitionen in aktiv verwaltete Alpha-Strategien. 

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Strategien bereits ausgereift und liquide genug sind, um sich für ein stark reguliertes Pensionskassen-Portfolio zu qualifizieren. 

Haben sich Pensionskassen damit bereits die Finger verbrannt? 

Die ersten Investitionen einiger Pensionsfonds in das Krypto-Asset-Ökosystem missglückten. Dazu zählen etwa der kanadische Ontario Teachers‘ Pension Plan und die Caisse de dépôt et placement du Québec. Dennoch bewegen sich die Pensionsfonds wieder in Richtung Krypto-Engagement. Es sind insbesondere US-amerikanische und bis zu einem gewissen Grad auch britische Institutionen, die als Vorreiter auftreten. Paradebeispiele sind die Pensionskassen von Wisconsin und Michigan – die beiden haben ihre Krypto-Bestände offengelegt.

Was sind die Beweggründe?

Die US-Zulassung der Exchange Traded Funds für Spot-Bitcoin und Spot-Ethereum hat die Akzeptanz dieser Vermögenswerte durch Pensionskassen erheblich beschleunigt, weil sie einen regulierten, transparenten und vertrauenswürdigen Wrapper bieten. Die Allokationen konzentrieren sich deshalb auch auf Bitcoin und Ethereum, sind aber in ihrer Grösse begrenzt und eher explorativer Natur.

Wie gehen Schweizer Pensionskassen mit Kryptomärkten um?

Wir sehen erste Anzeichen dafür, dass auch hierzulande Pensionskassen beginnen, Teile des Krypto-Asset-Ökosystems als reif genug für explorative Allokationen zu betrachten. Oft fängt das Interesse mit Bitcoin an. Später bringen aber Diversifikationsanforderungen auch gemischte Krypto-Investments ins Spiel. So sind etwa marktneutrale Krypto-Renditestrategien unter dem Gesichtspunkt des Risiko-Rendite-Profils interessant. Solche Anlagestrategien sind jedoch komplex und erfordern ein solides Verständnis der verschiedenen Wert- und Risikotreiber.  

Gibt es weitere Stolpersteine?

Neben der Marktfähigkeit der Infrastruktur und institutionellen Dienstleistern sind auch die Pensionskassen-Berater wichtige Akteure. Nennenswerte Allokationen erfolgen erst, wenn sich PK-Berater mit dem neuen Anlageuniversum vertraut fühlen. 

Warum sind ausländische Kassen experimentierfreudiger? 

Einige sind es, andere nicht – es gibt keine universelle Haltung unter den Pensionsfonds weltweit. Der Appetit auf Krypto-Assets scheint aber mit dem historischen Appetit bestimmter Märkte auf Risikoanlagen und alternative Anlagen zu korrelieren. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem US-Pensionsfonds zu den Vorreitern zählen.