«Es ist ratsam, an diversifizierten Laufzeiten festzuhalten»

Susanne Kapfinger: Was bedeutet die Senkung der Leitzinsen auf Null für das Immobiliengeschäft?
Dominik Fischer, CIO Helvetica: Die Senkung reduziert die Finanzierungskosten und erhöht die relative Attraktivität von Anlageimmobilien gegenüber Obligationen. Wir erwarten einen selektiven Druck auf die Anfangsrenditen – Qualität und Cashflow-Stabilität werden stärker bepreist. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Margen, Capex-Bedarf und Leerstandsrisiken müssen sorgfältig geprüft werden, und Laufzeiten sollten weiterhin diversifiziert bleiben.
Was sind ihre Markterwartungen?
Wohnimmobilien profitieren von einem strukturellen Angebotsmangel. Die Angebotsmieten tendieren weiter nach oben, auch wenn der Referenzzinssatz seit März 2025 bei 1,5 % liegt und Bestandsmieten punktuell sinken können. Im Bürobereich bleibt das Bild zweigeteilt: Moderne Flächen in zentralen Lagen sind gefragt, während ältere Objekte stärker konkurrieren müssen.
Was spielt sich auf dem Transaktionsmarkt ab?
Die Marktaktivität nimmt spürbar zu. Es sind intensivere Prozesse, steigende Preise und ein grösseres Angebot zu beobachten. Die Spannen verengen sich, und institutionelles Kapital kehrt zurück. Der jüngste SNB Entscheid wirkt dabei als Katalysator: Mehrere Fonds haben bereits Kapital aufgenommen oder planen dies, um Akquisitionen zu tätigen. Insgesamt sehen wir mehr Prozesse und wieder kompetitivere Bieterfelder, bei unverändert hoher Selektivität.
Was empfehlen Sie?
Es gilt, diszipliniert zu investieren: Qualität sichern, Businesspläne mit realistischen Mieten und Capex hinterlegen sowie Zins, Baukosten und Leerstand konsequent testen. Tiefe Zinsen sollten für Refinanzierungen und einen ausgewogenen Laufzeitenmix genutzt werden. Wertsteigerungspotenzial entsteht vor allem durch ESG-nahe Modernisierungen und Repositionierungen.

