Es braucht gleich lange Spiesse

Susanne Kapfinger, Ökonomin und Leiterin Redaktion AWP Soziale Sicherheit

Wer über seine Pensionskasse spricht, spricht in drei von vier Fällen über eine Sammel- und Gemeinschaftseinrichtung (SGE). Sie versichern rund 75 Prozent der Erwerbstätigen und dominieren den Vorsorgemarkt im Wettbewerb. Das Resultat: Mehr Effizienz, Innovationen und tiefere Kosten. Für die Versicherten ist ihre zunehmende Bedeutung ein Segen. Fragt man jedoch Marktakteure, gibt es Verbesserungspotenzial. Sie schlagen Massnahmen vor, die den Wettbewerb fairer gestalten könnten.

 

Versicherten-Mobilität stärken

Der Wettbewerb im BVG-Markt ist grundsätzlich gut. Trotzdem ist seine Wirkung begrenzt. So ist etwa ein Anbieterwechsel zeitintensiv und komplex. Entsprechend selten wagen Firmen diesen Schritt. Dagegen könnte mehr Digitalisierung Abhilfe schaffen. Sie müsste aber entlang der gesamten Wertschöpfungskette vollzogen werden, von Arbeitnehmenden, über Arbeitgebende und ihren Pensionskassen bis zu den Behörden – und zwar in beide Richtungen. Das bleibt aber eine grosse Herausforderung. 

 

Die Technik ist in den jeweiligen Organsiationen zwar vorhanden. Oft scheitert es aber an der Interoperabilität unter den Systemen. Erst wenn das Kompatibilitätsproblem gelöst ist, kann die Versicherten-Mobilität zunehmen. Die Qualität des Wettbewerbs hängt also auch vom Grad der Digitalsierung ab. Den Digitalisierungsgrad erhöhen lässt sich durch die Einführung von Schnittstellen-Standards. Dazu müssen sich aber die verschiedenen Akteure einigen. 

 

Neue Lösung für Rentnerbestände

Es gibt aber noch eine weitere Herausforderungen. Und zwar im Umgang mit Rentenbeziehenden: «Diese werden im Rahmen eines Kassenwechsels oft als Belastung wahrgenommen, auch von behördlicher Seite», sagt etwa Laurent Schläfli, CEO Profond. 

 

Hier wären pragmatische Lösungen wünschenswert. Sein Vorschlag: Die Bündelung von Rentnerinnen und Rentnern in einer separaten, schweizweiten Pensionskasse. Damit könnten Firmen trotz bestehender Rentenbeziehenden flexibel den Anbieter wechseln. 

 

Risikoselektion ist ein Problem

Es ist wichtig über Lösungen nachzudenken: «Es braucht klare Grenzen – insbesondere dort, wo strukturelle Ungleichgewichte drohen» ergänzt Alain Grand, Fachleiter Vorsorge Tellco. Er meint damit die Risikoselektion. Der Wettbewerb darf nicht dazu führen, dass Betriebe mit älterer oder gesundheitlich belasteter Belegschaft systematisch schlechtere Bedingungen erhalten. Ein ausgleichender Mechanismen wären kollektivierte Risikopools oder altersunabhängige Beitragssysteme. Laut Grand verhindern sie verhindern, dass einzelne Betriebe für demografische Risiken bestraft werden. 

 

Ohne Transparenz geht nichts

Die derzeitigen Wettbewerbsbedingungen bauen auf die Strukturreform von 2012. Seither sorgt die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK) zusammen mit den regionalen Aufsichten für gleiche Regeln und Qualitätsstandards.  

 

Die Akteure nehmen die Aufsicht positiv wahr, weil durch verbindliche Weisungen und Offenlegungspflichten die Markttransparenz verbessert wurde.  Transparenz ist ein wichtiger Pfeiler für fairen Wettbewerb im Interesse der Versicherten. Gleichzeitig erhöhen sich aber dadurch die Anforderungen. 

 

Neue OAK-Weisungen erfordern Ressourcen und brauchen ein strukturiertes Compliance-Management. Fortschrittliche Kassen wissen sich dabei zu helfen: Sie digitalisieren konsequent.