Die Rückkehr des Bodenständigen

von Peter Bezak, Ökonom und Anlageexperte bei Zurich Invest

Nicht jede Kapitalmarktphase belohnt dieselben Eigenschaften. Nach Jahren, in denen Investoren immer neue Renditequellen erschliessen mussten, gewinnen derzeit Tugenden an Bedeutung, die lange als wenig spektakulär galten: Transparenz, planbare Cashflows und einfach nachvollziehbare Risiken. Genau deshalb könnten kollektive Hypothekenanlagen für Pensionskassen wieder verstärkt in den Fokus rücken.

Das Ende der Renditejagd?

Über Jahre hinweg standen viele Vorsorgeeinrichtungen unter Druck. Traditionelle Obligationenanlagen lieferten kaum noch laufende Erträge und die Suche nach Ersatz-Renditen führte zahlreiche Investoren in immer spezialisiertere Segmente der Private Markets. Diese Entwicklung war nachvollziehbar. Das Umfeld der Negativzinsen zwang viele Anleger dazu, neue Wege zu beschreiten. Von einem Ende der Renditejagd zu sprechen, wäre heute allerdings verfrüht. Die Herausforderungen institutioneller Anleger sind nicht verschwunden. Dennoch scheint sich der Fokus zu verschieben. Neben der Rendite selbst rücken wieder Fragen nach der Qualität der Erträge, der Transparenz der Risiken und der Verlässlichkeit der Cashflows in den Vordergrund. Denn es lassen sich wieder Erträge erzielen, ohne entlang der Risikoskala zwangsläufig immer weiter nach oben zu wandern.

Weniger Spektakel, mehr Substanz

In Unterhaltungen mit Vorsorgeeinrichtungen nehme ich deshalb eine interessante Entwicklung wahr. Komplexität wird nicht automatisch mit Mehrwert verbunden. Vielmehr wächst die Wertschätzung für Anlagen, deren Risiko- und Ertragsprofil nachvollziehbar bleibt und deren Ertragstreiber sich einfach verständlich erklären lassen. Gerade Anlagestiftungen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglichen vielen Pensionskassen Zugang zu Anlagekategorien, die allein oft nur schwer oder mit erheblichem Aufwand umsetzbar wären. Gefragt sind Lösungen, die nicht durch Komplexität überzeugen, sondern durch Stabilität, Transparenz und einen klar erkennbaren Nutzen für das Gesamtportfolio.

Die stille Stärke kollektiver Hypothekenanlagen

Kollektive Hypothekenanlagen passen genau in dieses Bild. Sie basieren auf einem Geschäft, das allgemein verständlich ist: der Finanzierung von Immobilien. Die zugrunde liegenden Sicherheiten sind real, die Cashflows vergleichsweise gut prognostizierbar und die Risiken transparent. Natürlich sind auch Hypotheken nicht risikolos. Immobilienmärkte unterliegen Zyklen und Bewertungen können sich verändern. Dennoch unterscheidet sich die Risikostruktur wesentlich von Anlageformen, deren Erfolg stark von künftigen Wachstumsannahmen oder komplexen Marktmechanismen abhängt. Für langfristig orientierte Investoren wie Pensionskassen kann dies gerade im aktuellen Umfeld attraktiv sein.

Nicht jede Rendite muss aufregend sein

An den Finanzmärkten entsteht bisweilen der Eindruck, interessante Anlagen müssten zwangsläufig innovativ, komplex oder besonders exklusiv sein. Vielleicht ist derzeit eher das Gegenteil der Fall. Kollektive Hypothekenanlagen versprechen keine spektakulären Geschichten. Sie bieten aber etwas, das vielerorts wieder stärker geschätzt wird: einen direkten Bezug zur Realwirtschaft. Gerade für Pensionskassen könnte das ein Grund sein, dem Bodenständigen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Fazit

Die Herausforderungen für Pensionskassen sind nicht kleiner geworden. Umso wichtiger ist die Frage, welche Risiken sie eingehen sollen und welche Entschädigung sie für diese erhalten. Manchmal entstehen die interessantesten Anlagethemen nicht dort, wo am lautesten darüber gesprochen wird. Sondern dort, wo Stabilität, Transparenz und Verlässlichkeit wieder einen eigenen Wert erhalten. Vielleicht ist genau das die Rückkehr des Bodenständigen.